Tel Aviv

Was tun, wenn Bernhard noch Urlaub aufbrauchen muss, ich aber eigentlich nicht so wirklich weg kann, und wir noch dazu so gar nicht wissen, was wir tun sollen? Richtig: Die Länder-Bucket-List zu Rate ziehen. Zugegeben, die sind ziemlich unterschiedlich, sowohl was den Inhalt und als was auch das Ausmaß betrifft. Bernhard kennt sämtliche Radstrecken auf der gesamten Erde, ich jeden Tauchspot und jedes Nationalgericht. Prioritäten halt. Aber ich schweife ab. Und das schon im ersten Absatz. Alles beim alten also. Sorry übrigens, der Alltag hatte uns dann doch schneller wieder als gedacht und das mit dem Bloggen funktioniert eher schlecht als recht. Aber Vorsatz: wir steigen wieder ein. Nur eben in umgekehrter Reihenfolge.

Also. Hier die Fakten: Kurztrip. Ins Warme. Meer wär schön. Essen auch. BAAAAM. Tel Aviv it is. Ach ja, wir dürfen mal wieder jemand vorstellen: Lisa und Jürgen! Die beiden sind unsere neuen Special Guests hier bei Chemistry of Travel. Jürgen hasst Vogelgezwitscher, vulgäre Ausdrucksweisen (wir arbeiten daran), isst mindestens drei Kinderschokoladeriegel auf einmal und trägt zwei Paar Socken. Lisa ist zukünftige Besitzerin von mindestens 15 Hunden (und kennt jeden einzelnen Instadog), liebt Gummibären (ja, wir sind vermutlich seelenverwandt) und lässt mich auf sämtlichen Fotos megaklein aussehen. Ihr merkt, das funktioniert ganz gut.

 

Wer von uns 4 die grandiose Idee hatte, einen Hinflug von Wien um 5 Uhr morgens zu buchen? Keine Ahnung (möglicherweise, vielleicht, eventuell, ziemlich sicher war das ich selbst). Etwas gerädert kommen wir also in Tel Aviv an. Es ist heiß. Wirklich wirklich heiß. Ja, man kann’s uns echt nicht recht machen. Mit dem Taxi gehts in die Stadt, Bernhard und ich sind scheinbar schon etwas abgebrüht, die Fahrweise des Taxifahrers lässt uns jedenfalls kalt. Tag eins steht ganz im Zeichen von Old Jaffa. In weiser Voraussicht eine Sandeman Tour reserviert, weil wir sonst vermutlich nur sinnlos herumgammeln würden. Und einen Limetten-Minze-Saft später sieht die Welt auch schon gar nicht mehr so schlecht aus.

Tel Aviv hat übrigens Trinkwasser. Damit hat nun niemand rechnen können. Wir wollten ja sogar Wasser kaufen. 6 Flaschen für 20 Euro. Bernhard ist die dann mal wieder zurückgeben gegangen. Vorher wäre er verdurstet, glaubt mir. Cola ist also günstiger als Wasser. Welcome to the new world. Abends schaffen wir es dann endlich zum und ins Meer. Samt heimtückischen Fischangriff und unglaublichem Sonnenuntergang. Ja, wir sind im Urlaubsmodus.

Wir haben lange überlegt, wie wir das mit den Ausflügen machen. Privat, Tour, private Tour? Am Schluss haben wir dann genau die richtige Entscheidung getroffen: Wir machen’s selbst. Und daher gehts am nächsten Tag mit dem Bus von Tel Aviv nach Jerusalem. Und ein Powernapping später stehen wir dann auch schon dort. Wir sind früh los, haben ja auch einiges vor. Die Altstadt Jerusalems wollen wir zuerst erkunden. Noch ziemlich verschlafen alles. Klagemauer finden wir trotzdem, Mauer eben. Dort werden Bar Mitzwas gefeiert, gebetet und gefeiert. Zeit mich hier zu outen: Ich tue mir schwer mit Religion. Oder zumindest mit konservativer Religion. Trotzdem ist Jerusalem – zumindest für einen Ausflug- ein faszinierendes Ziel. Alle Weltreligionen der Welt vereint und trägt zur Stimmung und dem Gesamtbild ein. Nächster Stopp: Tempelberg. Meine Knöchel scheinen gefährliche Waffen zu sein, jedenfalls werde ich gebeten einen bodenlangen Rock über meinen knöchellangen Rock zu ziehen. Ist ja auch gar nicht heiß hier. No problem. In der Hitze geht es zum Ölberg, zum Garten Gethsemane und zum Lions Gate, zurück in die Altstadt. Wichtig: dazwischen immer mal wieder einen Lime Juice. Laos lässt grüßen, der Effekt ist der gleiche. Wir lieben ihn alle.

Langsam aber doch schaffen es dann auch die Touristenbusse und Touren nach Jerusalem. Die Schlangen werden länger, die Gassen enger, es riecht nach Weihrauch, an den Straßenrändern kann man jede Menge Kitsch erstehen und die anfängliche Ruhe wird durch einen konstanten Lärmpegel ersetzt. Uns wird’s irgendwie zuviel. Bei der Grabeskirche ist es dann soweit, wir suchen das Weite, kehren der Altstadt quasi den Rücken. Am Mahane Yehuda Markt gibts dafür die beste Falafel des Urlaubs bevor wir wieder die Heimfahrt antreten. Hab ich schon erwähnt, dass wir übrigens nur 2 Minuten zum Meer haben? Tel Aviv, du bist super. Ob ihrs glaub oder nicht, der Tag setzt noch einen drauf: Abends geht’s zum Sarona Market. Street Food at its best würde ich mal behaupten.

Tag 3 und wir haben einen Plan. Wir haben am Vortag beschlossen, dass wir auch das Tote Meer und Masada individuell absolvieren wollen und uns ein Auto gemietet. Mit dem kommenden Shabath müssen wir das Auto aber schon Freitag holen. Gesagt, getan. Lisa und ich holen unseren grünen Flitzer ab. Meine Aussage, dass ich den wenigstens nicht verlieren kann, findet auch nur Lisa lustig, das Personal vor Ort verdreht innerlich nur die Augen. Egal, Auto bekommen, geparkt, gefrühstückt und ab zum Crossfit. Ja, ein Highlight jagt das nächste. Wie Aliens werden wir angesehen, als wir erklären hier im Urlaub freiwillig zu trainieren. Das Beste daran? Die Box ist direkt am Strand. Shirt und Hose weg, rein ins Wasser. Diesmal ohne beißenden Fisch, aber leider auch ohne Sonnencreme. Bernhard, mit einem Eigenschutz von minus 5 Minuten bangt also um sein Leben. Eine Stunde später, frisch geduscht, aber zugleich wieder verschwitzt dann zum verspäteten Frühstück: Shakshuka. Wer’s nicht kennt: ausprobieren.

Die Einkaufsstraße runter bis hin zum Markt, wo wir uns noch mit Fladenbrot eindecken. Wieder ab zum Strand die letzten Sonnenstrahlen genießen. Und heute wird am Strand abendgegessen, Sonnenuntergang inklusive. Ja, wir haben’s ziemlich drauf.

Samstag. Unser eigentliche Plan? Zum Sonnenaufgang nach Masada. Äh ja. Wie jetzt? Um 2 Uhr morgens aufstehen?! Die begrenzte Begeisterung siegt, wir peilen dann doch lieber eine Abfahrt um 6 Uhr morgens an. Und kurz vor 9 stehen wir dann am Fuß von Masada, quasi einem Berg mit Festung. Wir wollen zu Fuß rauf und runter (haben ja nix zu verschenken), bereuen schon etwas unseren späten Start und erfahren dann auch noch, dass man spätestens um 10 Uhr wieder den Rückweg nach unten antreten muss, da sie danach aufgrund der steigenden Temperaturen die Strecke sperren. Zuviele Touristen, die in der Vergangenheit gerettet werden mussten, weil sie sich maßlos überschätzt hatten. Wir versuchen es trotzdem und noch bevor wir den Snake Path betreten, stehen uns die Schweißperlen auf der Stirn. Aber wer 1000 Box Step Ups (mit 9kg extra Gewicht) machen kann, der wird wohl auch bei 35°C in der Wüste einen Berg hochkommen. 45-60 Minuten sagt uns der Reiseführer. 32 Minuten sagt uns Bernhards Stoppuhr. Leck mich, sagt mir mein Körper. Mein T-Shirt ist jedenfalls 5kg schwerer und durchgehend nass. Meine Augen bekomme ich nur halb auf, weil der Schweiss so sehr brennt (hey, niemand hat gesagt, dass das hier lecker und lustig zu lesen sein wird! 😉 )

Vergisst man aber relativ schnell. Das tote Meer im Hintergrund, rund um uns Sand und Stein. Trostlos. Mondlandschaft. Aber wunderschön. Nachdem Jürgen und Bernhard das beste Foto aller Zeiten (Lisa und ich haben darüber aufgeklärt, dass man es etwa 10 000 mal auf Instagram findet) geschossen haben, geht es wieder Richtung Abgang. Also, für Lisa, Jürgen und mich. Bernhard reizt mal wieder die Situation bis aufs letzte aus. Und kaum geht er dann mit Verspätung durchs Tor, wird hinter ihm der Abgang verriegelt. Glückspilz eben.

Wieder unten rein in unser Auto und auf zum nächsten Stopp: das tote Meer. Wer will nicht mal nahezu schwerelos im Wasser liegen. Nur die Hinweise mit „2 Tage vorher keine Beine mehr rasieren, nicht mit offenen Wunden reingehen etc.“ geben mir einige Bedenken. Zu Recht. Aber wir wollen hier mal nicht ins anatomische Detail gehen. Fazit: Scheiss warm das Wasser, ganz cool der Effekt, länger als 15 Minuten hält man es trotzdem nicht aus. Schlammpackung inklusive. Wie kleine Aliens laufen alle hier rum, der passende Soundtrack wäre wohl „Blue (Da Ba Dee)„. Den Effekt lassen wir mal dahingestellt. Rechtzeitig bevor die Busse ankommen packen wir dann auch ein paar Stunden später schon unsere Sachen zusammen. Effektives Zeitmanagement. Vorbei an überteuerten Minishops mit Schlammpackungen, überteuerten Kosmetikprodukten und Totem Meer Salz. Die sollten lieber mal Zusehen, dass der Wasserspiegel nicht jedes Jahr so weiter sinkt.

Zurück in Tel Aviv gehts ein letztes Mal ins Wasser, den Sonnenuntergang am Meer genießen, ein letztes Mal 4 Personen mit Entscheidungsschwäche Essen aussuchen lassen. Und eine letze Nacht in Tel Aviv. Morgens um halb 6 Tagwache. Nein, es geht nicht zum Flughafen, sondern ein letztes Mal ins Meer. Den Tag richtig starten- den Kurzurlaub gebührend beenden bevor es dann eben doch wieder heimgeht. Tel Aviv, das war nicht das letzte Mal. Und auch von Lisa und Jürgen werdet ihr vermutlich noch mal hören.

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