Singapur – oder der “we´re back in business!” Blog

Es kommt uns wie gestern vor, dass wir am Wiener Flughafen standen und irgendwie gar nicht glauben konnten, dass es nun endlich soweit sein sollte und wir uns endlich auf den Weg machen würden. Und 4 Monate später stehen wir wieder hier. Die Trekkingschuhe wurden gegen Flossen ausgetauscht und auch die Daunenjacke bleibt zuhause. (vlt nicht die cleverste Entscheidung, aber es gibt zum Glück nichts das Nike Free Runs nicht auch können). Es ist nämlich soweit, „mein“ Part der Reise beginnt: Wir fliegen nach Südostasien. Anfangs noch etwas verhalten- wir haben die kurze Zeit zuhause schon sehr genossen (Herzlichen Dank nochmal an alle)- dauert es aber nicht lange und wir sind wieder im Reisemodus.

Also fast zumindest. Etwas verplant sind wir noch und verlieren uns in Singapur gleich mal auf dem Weg zum Hostel. Ups. Die U-Bahntüren waren schneller zu als gedacht und vor allem erbarmungslos und Bernhard versteht das Konzept des „Bei-der-nächsten-Haltestelle-aussteigen-und-in-die-nächste-U-Bahn-einsteigens“ nicht. Wäre auch zuviel des Guten, bei Bernhards Orientierungssinn (Ja, auch heute noch erzählt er gerne die Anekdote, dass er während der Schulzeit Orientierungsläufer war. Er muss übrigens selber darüber schmunzeln). Ich komme also an unserer Endstation an, weil ich davon ausgehe, dass er somit bis zur Endstation- unserer Zielstation- gefahren ist, aber von Bernhard keine Spur. Der hat nämlich vergessen, rechtzeitig auszusteigen und ist wieder in die Gegenrichtung unterwegs. Kein Scherz, da seht ihr mal wie verloren der Mann hin und wieder ist. Irgendwann schaffen wir es dann doch gleichzeitig am selben Punkt zu sein, aber auch eher durch Zufall. Unser Hostel für die nächsten Tage ist ein Kapselhotel. Äh was? Habt ihr richtig gelesen, aber halt nicht so wie bei Nespresso, sondern jeder bekommt quasi eine eigene Koje. Ein neumodernes Hostel. Gefällt uns aber ganz gut und spätestens Bernhard haben sie bei der Einführung überzeugt, als es heißt, dass es gratis Kaffee gibt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist das ganze „Platz-sparen“ aber doch: Geduscht wird auf dem Klo und viel Platz ist hier auch nicht. Und das zu Preisen, dass es einem die Schuhe auszieht. Unsere Nacht ist auch weniger ruhig als gedacht, sind diese Harry-Potter-Kammern durchaus hellhörig. Während Bernhard also am nächsten Morgen noch mit mir darüber philosophiert, ob Kaugummi kauen denn nun illegal ist oder nicht und kalkuliert wie lange sein Vorrat hier noch reichen sollte, halte ich nochmal fest, dass ich mich diesmal sicher nicht nochmal bei der Polizei für ihn vorspreche, nur weil die Sucht mal wieder größer ist als der Verstand. Aber Bernhard liebt das Leben am Abgrund – living on the edge halt. Wir beschließen die Tatsache auszunützen, dass wir mitten in Chinatown wohnen und spazieren gleich mal hier durch die Gegend.

 

 

Ein Tempel nach dem anderen und irgendetwas scheint in der Luft zu liegen. Bei einem wird uns gratis Essen angeboten, beim Nächsten finden ausschweifende Zeremonien statt und wir freuen uns einfach nur mitten drinnen zu sein. Vor allem der Buddha Tooth Relic Tempel verzaubert uns. Unser nächster Weg führt uns zu einem Hawker Center, die wohl beste und günstigste Variante hier in Singapur satt zu werden. Kleine Stände stehen in Reih und Glied und bieten alles an, was das Herz begehrt. Unsere Strategie? Dort wo viele Leute- bevorzugt Einheimische- stehen, dort stellen wir uns halt auch mal an. Was wir essen? Wissen wir nicht. Funktioniert immer wieder gleich, egal ob in Asien oder in Südamerika, das Spiel können wir übrigens in sämtlichen Sprachen: „Was können Sie mir empfehlen?“ Darauf folgt dann immer die gleiche Aufzählung von 100 Gerichten, deren Namen uns meist alle unbekannt sind, oder die wir einfach nicht verstehen, worauf wir meist mit „Ja genau, das Erste und das Zweite bitte.“ antworten. Manchmal, wenn ich ganz helle bin, frage ich noch schnell, ob es eh nicht zu scharf ist. Bei Bernhards Magen ist sogar das egal. Da endet man dann schon mal mit dem ein oder anderen Überraschungsgericht, aber mal ehrlich, so macht es einfach am meisten Spaß. Diesmal aber haben wir Glück. Huhn mit Reis hatten wir ja auch wirklich schon lange nicht mehr, haben wir schon vermisst.

 

 

Zu Fuß geht es dann runter Richtung Wasserfront, wo sich die Gardens by the Bay, eine moderne Parkanlage befinden. Die besuchen wir dann auch mal, ganz schön heiß hier übrigens. Wir versuchen die dünne Linie zwischen Schwitzen und Sightseeing entlangzuschreiten, aber scheitern kläglich. Die Suppe rinnt uns nur so runter. Ein guter Grund um die Cloud Forest (Nebelwald) Ausstellung zu besuchen. Nicht ganz billig das Ganze, wie so ziemlich alles hier in Singapur, aber dafür gekühlt. War es uns schon wert.

 

 

Im Inneren der Glaskuppel kommt es einem vor wie in einer anderen Welt. Ein künstlicher Nebelwald samt allem drum und dran, sieben Stockwerke hoch, die man dann auch von oben bis unten über Brücken herabwandern kann. Irgendwie aber auch irre, dass wir schon soweit sind, Parks in Glaskuppeln zu errichten. Die Wenigsten bleiben bei den Informationstafeln stehen, die einen an das Sterben des Regenwaldes erinnern sollen und ein paar Amis beschreiben es als „Room of shame“, als sie quasi nur so hindurchlaufen. Wir sind etwas geschockt, dass sich die Leute hier mehr für irgendwelche künstlichen Installationen, als für die Wahrheit interessieren. Gekühlt, aber auch etwas ernüchtert verlassen wir die Kuppel und machen uns auf zum Supertree Grove, wo abends eine Lichtershow stattfinden soll. Tut sie auch, pünktlich auf die Minute. Wir und zighundert Andere sitzen also am Boden und starren wie die kleinen Kinder mit großen Augen in die Luft, um bunte Lichter zu beobachten. Ach so, was so ein Superbaum ist, fragt ihr euch? Quasi ein Science-Fiction- Abenteuer im richtigen Leben, bis zu 50m hohe Stahlkonstruktionen, die quasi als vertikale Gärten, aber auch Regenspeicher und und und dienen und in naher Zukunft vollbewachsen sein werden und nicht nur tagsüber sondern auch eben nachts dank tausender Lichter die Touristen anlocken. Willkommen im Garten der Zukunft! Endlich schaffen wir es dann, spät aber doch, zurück ins Hostel. Unsere Kojen warten schon auf uns.

 

 

Am nächsten Tag regnet es, bei etwa 30°C stört das aber eigentlich nicht so wirklich. Am Vormittag steht Little India auf dem Programm und wir nutzen die geografische Lage, denn mittags geht es zum nächsten Hawker Center (wir essen ja nur ungerne zweimal am gleichen Ort) und es gibt? Richtig, indisches Essen. Bis heute streiten wir darüber, wer von uns Naan Brot lieber mag. Anders als bei Kindern, die oft gefragt werden, ob es Mama oder Papa lieber mag, kann das Naan Brot leider nicht antworten. Geht also unentschieden aus. Den Ingwertee gewinne aber ich. Bernhards neues Lieblingsgesöff ist seither Ingwertee mit Milch, Kaffee und Eis, den es im praktischen Halbliter Becher gibt. Mit gefüllten Mägen machen wir uns auf zum Botanischen Garten, einem der Highlights hier in Singapur. Der Regen hat aufgehört und die Sonne kommt hervor, gerade zur rechten Zeit. Wir queren den Park durch Kräutergärten, Regenwald und Farnsektionen und dürfen dank Studentenrabatt (räusper räusper) gratis in den Orchideengarten. Weder Bernhard noch ich sind besondere Blumenliebhaber, aber sogar uns gefällt es hier. Tellergroße Orchideen in sämtlichen Farben umgeben uns und es passiert zum ersten Mal, dass auch ich mich mal vor ein paar Blumen hinstelle und Bernhard bitte, ein Foto von mir zu machen. An die Orchideenliebhaber da draußen, ihr wisst wohin ihr müsst!

 

 

Weil wir heute einen super Lauf haben, beschließen wir, gleich das nächste Spektakel abzuhaken und machen uns auf dem Weg zur Haw Par Villa, dem Anwesen des Erfinders von Tiger Balm. Wer Tiger Balm nicht kennt, gehört zur jüngeren Generation, aber Leute, dass ist das Zeug, auf das eure Eltern und Großeltern schwören und euch meistens überall hinschmieren möchten. Haben wir uns übrigens hier ebenfalls zugelegt, weil 1. billig und 2. soll es gegen juckende Mückenstiche helfen und da wir immer wieder mal den Mückenschutz vergessen, definitiv ein guter Kauf! Aber zurück zur Villa: Ehemals in den 50er Jahren DER Vergnügungspark schlechthin, kann man es heute nur mehr als Kuriosität bezeichnen. Hier sind chinesische Märchen und Mythen „anschaulich“ präsentiert, der ein oder andere von euch sollte also beim Fotodurchklicken gewarnt sein. Bernhard liebt es hier natürlich, ich bin schon manchmal etwas abgestoßen. Der dicke lachende Buddha gefällt mir (weil soll ja Glück bringen), aber die alte Greisin, die von einer jungen Geisha gestillt wird, oder die „Ten courts of hell“ finde ich etwas bizarr und ist definitv nichts für schwache Nerven. Dass manch einer da in der Nacht nach dem Besuch schweißgebadet vor lauter Schreck aufwacht, kann ich durchaus nachvollziehen.

 

 

Abends geht’s nochmal zu den Supertrees. Bernhard will das ganze Spektakel nämlich mit seiner Drohne aufnehmen und auch ich habe nichts dagegen. Während er also herumfliegt, lege ich mich mitten drinnen nochmal auf den Booten, um die Lichter zu beobachten. Wieder ein langer Tag. Tag drei steht dem in nichts nach. Wir schaffen es mal wieder etwas später aus dem Hotel und unser Weg führt uns nach Downtown und zur Riverfront. Unglaublich sauber ist es hier in Singapur und auch ansonsten hat man viele Annehmlichkeiten. Der Formel 1 Grand Prix steht vor der Türe und schon überall wird fleißig aufgebaut. Ein Megaevent steht bevor. Nachmittags schaffen wir es dann endlich auf die Orchard Street, die bekannte Einkaufsstraße, in der ein Einkaufscenter (gut klimatisiert hier übrigens alles) das nächste ablöst. Warum wir erst jetzt hier sind, obwohl wir beide so gerne shoppen (zwar normalerweise nur im Internet und auch wenn Bernhard was Anderes behauptet, seine Schuhkollektion verrät ihn!), hat einen einfachen Grund: Wir dürfen ja gar nicht. Brauchen nichts, haben zuviel mit (wir sind uns immer noch unschlüssig, ob die Flossen wirklich nötig waren)- wenngleich auch weniger als vorher- und schleppen wollen wir das Ganze auch nicht. Spoiler: Wir haben nichts gekauft, auch wenn Bernhard- ja Bernhard, nicht ich!!- ein paar Mal echt kurz davor war. Seine Schuhe müssten eigentlich eh ausgewechselt werden. Das ganze Shoppen macht uns fertiger als das normale Herumgerenne, aber immerhin haben wir alles, inklusive weiterem Akku für die Drohne. Auch heute Abend steht wieder etwas an: Richtig, eine Lightshow. Diesmal aber vorm Marina Sands Bay, das Hotel, an das jeder denken muss, wenn man Singapur erwähnt. Davor aber nochmal schnell zum nächsten Hawker Center Lau Pa Sat, das soll übrigens unser liebstes Hawker Center werden. Im Laufschritt dann zurück zum Merlion um die Show festzuhalten. Bernhard per Drohne, ich an der Kamera. So richtig gefesselt sind wir nicht. Und wieder fallen wir müde ins Bett und nehmen uns fest vor, am nächsten Tag früher ins Hostel zurückzukehren.

 

 

Wir hätten es besser wissen sollen, und ihr schmunzelt vermutlich vor euch hin, denn es kommt natürlich anders. Den Vormittag nützen wir für den Southern Ridges Walk, ein 9km langer Spaziergang von Park zu Park mitten durch Singapur. Die Stadt ist einfach unglaublich grün und gut durchdacht, man kann sich daran wirklich nur ein Beispiel nehmen. Heiß ist es, obwohl wir schon früh auf den Beinen sind aber wir genießen das Gefühl, ein wenig aus der Stadt rauszukommen. Oasen in der Stadt quasi. Baumwipfelwege, coole Brücken und gute Aussichtspunkte schaden natürlich auch nicht. Bernhard kann noch etwas mit der Drohne spielen und dann endlich gibt es ein verspätetes Mittagessen (Hawker Center natürlich!).

 

 

Eigentlich würden wir ja abends wirklich gern einfach schlafen gehen, aber nichts da. Wir haben erfahren, dass man die Lichtshow vom Marina Sands Bay am besten von beiden Seiten beobachten soll, und da können wir ja fast nicht aus. Fazit: Zweite Seite war besser, dank Musik Untermalung und projizierten Bildern auf den Wasserfontänen und und und. Klar, durchaus etwas kitschig aber hey, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Der Tag war lang und es ist auch schon unsere letzte Nacht hier in Singapur. Irgendwie freuen wir uns auch schon wieder auf ein ruhiges, normales Bett. Am nächsten Morgen haben wir noch kurz Zeit für einen Spaziergang an der Wasserfront und einen letzten Besuch im Chinatown Complex (unser zweitliebstes Hawker Center, auch hier waren wir zweimal, aber bei 200 unterschiedlichen Ständen ist die Auswahl groß!). Ein fragliches Mittagessen später geht es dann auf zum Flughafen, übrigens einer der besten auf dem wir je waren und alleine hier lässt sich die Zeit gut vertreiben, bevor wir nachmittags dann weiterfliegen. Next Stop: Malaysia. Genauer gesagt, Borneo. Kennt ihr nicht? Kein Stress, erzählen wir euch nächstes Mal mehr davon!

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1 Kommentar

  • Reply
    Karin Stanje
    September 16, 2017 at 11:59 am

    Eine tolle Stadt. Modern,und auch sehr bunt. Eine tolle Mischung 😊👍
    Danke für diesen Einblick.
    Habt ja viel gesehen und hoffentlich auch genossen.
    Ich muss gestehen,daß Bernhard den Orientierungssinn von mir hat – ich hab auch
    keinen😂😂😂
    Wünsche euch beiden eine gute Weiterreise✈️🛩.
    Wir hören hoffentlich wieder bald von euch😉😘😁

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