Siem Reap – oder der „Angkor Whaaat?“ Blog

Hin und wieder schwelgen auch wir im Luxus. Glauben wir zumindest. Unser Hotel in Siem Reap hat nämlich Shuttle Service. Das war’s dann aber auch schon, der Rest war gut fotografiert, die Leihräder sind nicht gratis wie angepriesen, sondern doch zu bezahlen und vom Frühstück wollen wir hier gar nicht erst erzählen. Ja, auch wir machen selten aber doch einen Griff ins Klo. Das Gute? Wir haben nur zwei Tage reserviert und werden umziehen.

Die Stadt ist voll von Touristen. Soviele Touristen haben wir schon seit Tagen, nein Wochen, nicht mehr auf einem Haufen gesehen. Überall um uns herum. Das Touristen-Epizentrum können wir jedoch in der Pub-Street ausmachen, weshalb wir erstmal immer einen großen Bogen drum machen. Und dann gäbe es natürlich noch die Touristengeschäfte, Massageläden, Markthallen mit Krimskrams, Tuk Tuks und Touranbieter. Und jeder will etwas von dir. Eigentlich alles was das Pauschaltouristenherz begehrt! Der Kunde ist König oder die Geldkuh!

Einfach lächelnd „Nein, danke“ sagen und weiter gehen. Wir kommen aus dem „Nein, danke“ sagen nicht mehr raus. Kommt uns bekannt vor, nur die Sprachen ändern sich immer mal wieder. Ich lerne übrigens in jedem Land zu allererst vier Wörter: Hallo, Ja, Nein und Danke. Die lassen sich übrigens auch gut kombinieren. Trotzdem vermisse ich die Tage, an denen ich in Spanisch ganze Sätze formulieren konnte. Wie dem auch sei, wie die anderen Touristen sind auch wir hauptsächlich wegen einem hier: Angkor Wat. Angkor Wat ist eigentlich nur einer der zighundert Tempel in diesem Gebiet, aber wohl auch der berühmteste. Wir haben uns schon tagelang damit befasst, wie wir die Sache am besten angehen. Tour? Räder? Ebikes? Ein, drei oder gar sieben Tage? Sonnenaufgang? Große oder kleine Runde? Ihr seht schon, es gibt einiges zu bedenken. Wir kommen also an und … haben natürlich noch immer keinen Plan. Diesmal aber weil wir überinformiert sind. Kennt ihr das, wenn ihr einfach nicht mehr wisst wohin mit euch und überhaupt und sowieso? So geht es uns, als wir in Siem Reap stehen. Und haben noch dazu beide einen entscheidungsschwachen Tag. Eine tödliche Kombination. An solchen Tagen ist man dann schon froh, überhaupt mal irgendwo in einem Restaurant gelandet zu sein, aber selbst dann fragt man sich noch, ob nicht die andere Wahl die bessere gewesen wäre. Aber genug davon, wir schaffen es dann schlussendlich doch nach langem Hin und Her und dreimal überall nachfragen. Da man mit normalem Scooter nicht ins Tempelgebiet darf, und wir gerne mal was Neues ausprobieren, mieten wir uns Elektroscooter. Selbst im Tempelgebiet gibt es verschiedene Aufladestationen, wir sollten es also hoffentlich hin und zurück schaffen. DA wir noch keine Tickets haben, beschließen wir die Sache locker anzugehen (und gönnen uns erstmal eine Massage). Statt wie gedacht nur einen Tag, werden wir die Tempel von Angkor zwei Tage lang besuchen. Deshalb am ersten Tag erst um halb 8 weg, Tickets gekauft ohne Anstellen und rein. Umgekehrte Richtung wie die Tourimassen versteht sich. Von Angkor Thom, der vor allem durch die Tomb Raider Reihe bedeutsam ist und bei dem man noch mehr oder weniger sieht, dass sich über die Zeit hinweg die Natur auch wieder zurückholt was ihr gehört, über versteckte Dschungeltempel, Tempelruinen bis hin zum Bayon, dem Gesichtertempel, es ist alles dabei.

 

 

Wir können die Tempel gar nicht mehr zählen. Jeder ist doch irgendwie anders, aber auch irgendwie gleich. Wir sind im Zeitverzug durch das ganze Fotografieren. Zum Sonnenuntergang wollen wir auf den Phnom Bakheng Hügel, aber wie überall Menschenmassen. Dabei haben wir uns noch gedacht, zu früh dran zu sein. Dann lieber nicht. Wir sind schockiert, als wir beim vorbeifahren sehen, dass hier noch auf Elefanten geritten wird. Samt Elefanten-Sattel. Und die Touristen stehen und staunen. Widerlich. Wir verbringen den Sonnenuntergang im Angkor Wat Tempel, für den selbst wir noch gar keine Zeit hatten und schauen schonmal, wo wir am nächsten Tag die beste Sicht für den Sonnenaufgang haben. Es ist schon dunkel, als wir endlich aufbrechen und uns auf den Heimweg machen.

 

 

Wir wechseln das Hotel. Batterien laden. Wir sind tatsächlich hin und hergekommen, mussten unterwegs allerdings laden. Wir machen uns etwas Sorgen, wollen wir doch am nächsten Tag den längeren Loop fahren. Auch der sollte sich ausgehen, sofern unsere Akkus vollgeladen werden, was ganz von der Stromversorgung im Hotel abhängt. Morgens um 4 Uhr läutet der Wecker. Wir sind etwas verschlafen und brauchen viel zu lange. Mit etwa 20 Minuten Verspätung schaffen wir es dann endlich im stockdunkeln auf unsere Bikes und düsen los. Also, sofern man eine Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h halt düsen nennen kann. Bernhard ist grantig. Meint, wenn wir mit normalen Rädern unterwegs wären, wären wir schon längst dort. Ja, er laufe sogar schneller als dieses E-Bike. Mr. Grumpypants. Wir hüpfen von den noch fahrenden Bikes runter und im Laufschritt geht es ins Tempelgelände. Stockdunkel ist es, aber die ersten Touristen sind schon hier. Aber, entgegen unseren Befürchtungen gibt es auch für uns noch ein Plätzchen. Zweite Reihe zwar nur, aber besser als nichts. Ich mache es mir einfach am Boden gemütlich und fotografiere zwischen den Beinen meiner Vordermänner durch. Funktioniert. Es heißt erstmal warten. Und dann langsam, ganz langsam, lässt sich die Sonne blicken. Der Himmel verfärbt sich, die Silhouette von Angkor Wat spiegelt sich im Teich.

 

 

Dann schließlich ist das Spektakel auch vorbei. Wir verputzen mal unser mitgebrachtes Frühstück. Die Touristengruppen fahren wieder zurück in die Stadt fürs Frühstück, eine gute Gelegenheit, um den wohl bekanntesten Tempel Südostasiens mal genauer zu betrachten. Perfekte Zeit. Wenn da nicht Monk-Day wäre. Hat uns mal wieder niemand gesagt, sonst wären wir am Vortag schon den Turm Mt Meru rauf, aber heute geht nichts. Geschlossen. Wäre ja zu einfach gewesen. Wir starten in den großen Loop. Riesige Tempelanlagen, Terrassen, Reliefs, Ruinen, Seen und  vor allem jede Menge Stiegen warten auf uns. Die Sonne ist gnadenlos, wir tragen aus Respekt lange Kleidung. Und wir schwitzen.

 

 

Und dann, kurz bevor wir endlich wieder zu Angkor Wat kommen (wir mussten nur einmal kurz unseren Scooter laden!), nach gefühlt 100 Tempel, schleicht er sich langsam an: der Tempel-Kollaps. Wir wollen nicht mehr. Aus. Wenn da nicht Angkor Wat noch wäre. Es nützt alles nichts, wir schleppen uns ein letztes Mal hinein, um die unteren Bereiche, die wir am Morgen ausgelassen haben, nochmal zu bestaunen. Versteht uns nicht falsch, es ist großartig. Jeder einzelne dieser Tempel ist ein Wunder. Wir lieben vor allem jene, bei denen man sieht, dass der Dschungel sie sich zurückholt. Wo Steinhaufen herumliegen und nur vermuten lassen, wie monströs und eindrucksvoll diese Bauten in ihrer Blütezeit ausgesehen haben müssen. Wir lieben es, die Mönche in ihren orangenen Kutten durch die Gänge streifen zu sehen, nehmen aber meist respektvollen Abstand, um nicht zu stören. Der Tag fühlt sich an, als hätte er 48 Stunden.

 

 

Endlich ist es dann soweit und wir „düsen“ wieder zurück. Meine Füße sind voller Blasen und tun weh, Bernhard ist nagt am Hungertod und überhaupt sind wir einfach nur fertig. Das Reisen kann auch anstrengen. Was wir uns also verdient haben? Eine Fischmassage. War uns bisher immer etwas suspekt. Aber zu einem  Mann mit dem Hundewelpen auf dem Arm kann man ja wohl schwer nein sagen. Und so halten wir unsere Füße in das Aquarium. Und was soll ich sagen? Komisch ist es, aber kein Bimsstein könnte es besser. Tut unseren gebeutelten Beinen jedenfalls gut. Nach dem Abendessen gibt’s sogar noch eine Fußmassage. Haben wir uns aber auch wirklich verdient. Und so neigen sich unsere Tage in Siem Reap auch schon wieder langsam dem Ende zu. Nach knappen 5 Tagen brechen wir die Zelte ab und fahren mit dem Minivan – der natürlich wieder zu spät kommt, aber uns angeblich nicht vergessen hatte- zum letzten Punkt in Kambodscha: nach Battambang. Der Bambootrain ist im Moment außer Betrieb. Okay, zugegebenermaßen, man könnte 200m (statt mehrere Kilometer) damit fahren, aber für einen gesalzenen Preis und auch nur, damit die Touristen befriedigt sind, ihre Tourifotos zu schießen und sagen zu können, dass sie auf dem Teil gefahren sind. Wir verzichten. Aber ein Highlight steht dann doch an, denn wir haben uns Tickets für den Zirkus gekauft. Ja, ihr habt richtig gelesen, wir gehen in den Zirkus. So richtig wissen wir nicht, was uns erwarten wird, doch haben wir schon viel davon gehört. Wir werden nicht enttäuscht. Wir werden köstlich unterhalten.

 

 

Und wäre am nächsten Tag auch noch eine Vorstellung, wir würden vermutlich nochmal gehen. Battambang lädt ein zum nichts tun. Mit den Rädern erkunden wir die Gegend, genießen die Cafes und Restaurants und tun einfach mal gar nichts. Danke Battambang. Zugegeben, in der Nähe gäbe es ein paar interessante Tempel. Aber ehrlich, wir bringen es nicht über uns. Keine Chance. Und deshalb reisen wir dann ab. Wohin? Bangkok.

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