Sansibar – oder der “Pole Pole” Blog

Afrika verlangt mir einiges ab. Daressalam noch mehr. So richtig freunde ich mich mit der Stadt nicht an. Platzregen, schlechte Stadtführungen (wenngleich nette neue Bekanntschaften), viele viele Leute und gewöhnungsbedürftige Gerüche lassen mich nicht in Begeisterungsstürme ausbrechen – merkt man wohl auch an der Vielzahl an Fotos, die wir mit nach Hause gebracht haben (in Zahlen: 3, in Worten: drei). Die 50- Cent Kokosnüsse machen aber einiges wett. Die zwei Tage vergehen trotzdem schnell. Wir kämpfen mit der Hitze (wenn es nicht gerade regnet(oder vielleicht genau deswegen?)), verbringen unsere Zeit in fragwürdigen Museen (wenn es regnet), essen uns durch die Stadt, besuchen Märkte und freuen uns, nach der ganzen Safarisitzerei endlich wieder auf den Beinen zu sein.

Und zwei Tage später ist es soweit. Teil drei unserer Reise:  11 Tage Zanzibar. Oder Sansibar. Hab mich selbst noch nicht entschieden, welche Schreibweise mir besser gefällt. Am Abend verlassen wir also dieses feuchte Höllenloch, auch bekannt als Daressalam oder einfach nur Dar. Jener Stadt, die es uns wirklich nicht leicht gemacht hat sie zu mögen.

11 Tage Inselleben also. 11 Tage Meer, Sand und Sonne. Hier übrigens der Punkt unserer durchaus verbesserungswürdigen Planung: Wer mich kennt fragt sich jetzt vermutlich „Wie, 11 Tage Strand? Wie soll sie das denn nur aushalten?“. Zugegeben, ich steh ja wirklich mehr auf Action. Wenn ich Urlaub vom Urlaub brauche, dann ist alles richtig gelaufen. Wenn es nach mir ginge, wären wir vermutlich nicht gleich auf Sansibar (Zanzibar?!) angekommen, sondern hätten noch ein paar Umwege gemacht. Aber auch Bernhard und der Geldbeutel haben da noch was mitzureden (eher Bernhard eigentlich, weil dank unserer Planungsunfähigkeit ist der Geldbeutel eh trotzdem leer). Aber keine Panik, wir haben vorgesorgt: in den 11 Tagen gibt es mehrere Ortwechsel, Tauchgänge und Erkundungstouren. So viele Dinge, dass ich zwischendurch sogar unsicher bin, ob die paar Tage überhaupt ausreichen werden. Wir und unser halbes Bankkonto (noch schnell alles abgehoben auf dem Festland- sicher ist sicher) sind bereit.

Erster Stopp Nungwi. Ein kleines Dorf mit Beach Lodges wohin das Auge reicht. 
Wir sind hungrig, aber wenn ich mich zwischen Dusche und Essen entscheiden muss, gewinnt diesmal wirklich die Dusche. Kaum zu glauben, aber wahr. Okay okay. Zugegeben- wir hatten noch eine Packung Kekse. Die Kekse würde ich in diesem Moment noch für eine Klimaanlage eintauschen, aber im österreichischen Winter und mit dem Ökoaspekt im Hinterkopf haben wir uns dann damals aktiv dagegen entschieden – Entscheidungen, die absolut Sinn machen, aber man möchte seinem Vergangenheits-Ich in jenem Moment dann trotzdem einen strengen Blick zuwerfen. Nungwi. Das Mallorca der Italiener. Selbst die Beachboys hier – die uns übrigens ignorieren, weil wir scheinbar so gar nichts ins Beuteschema (Souvenirjäger und Frauen, bevorzugt jung und single) passen- sprechen italienisch. An Tag 1 erkunden wir mal die Strände. Es ist bewölkt und windig. Sonnencreme, wer braucht das schon. Wir jedenfalls nicht. Ich muss wohl nicht erwähnen, wie diese Tragödie, erster Akt, endet? Darf ich vorstellen: Mr. und Mrs. Hummer. Wir sind so rot, dass und sogar Leute mit Sonnenbrand noch mitleidig anschauen. So rot, dass uns die Hotelbesitzer sogar Aloe Vera aus dem Garten bringen. Genug gesagt.

Die nächsten Tage verbringen wir also im Schatten und lassen uns vom Wind nicht mehr ins Bockshorn jagen. Und wenn wir nicht im Schatten sind, dann sind wir im Neoprenanzug. Genau, es geht endlich mal wieder Unterwasser. Es ist windiger als normal. Im Holzboot geht es 2 Stunden auf und ab zu den Tauchstellen. Nach 5 Minuten sind wir so nass, dass wir auch hinschwimmen hätten können. Aber genau das sind die Fahrten, die einem im Gedächtnis bleiben und ich liebe es. Das Wasser rinnt mir in Strömen das Gesicht runter. Der Wind und starke Wellengang sorgen leider dafür, dass auch Unterwasser die Sicht nicht so besonders ist. Und trotzdem sind wir sofort wieder in unserem Element. Zanzibar (Sansibar?!) wird nicht ohne Grund als eine der besten Tauchdestination gehandelt. Nach Tumbatu am ersten Tag geht es am zweiten Tag zum Mnemba Atoll. Dort trifft sich die ganze Insel. Tauchboote, Schnorchelboote, Fischer. Zumindest Unterwasser ist es ruhiger. Mitten in der Ebbe geht es dann zurück. Lange Fahrten. Aber dann doch lieber auf einem Boot als im Bus.

Silvester kommt und geht. Ein Essenshighlight jagt das nächste. Abends veranstalten die meisten Restaurants BBQs. Statt Fleisch gibt’s hier jede Menge Fisch und Meeresfrüchte. Count me in! Octopuscurry, Red Snappers und Eintöpfe. Kokosnüsse, Mangos, Passionsfrüchte und Ananas. 

Nach jeder Menge Beach-Hopping und ein paar Tagen wird es Zeit uns zu verabschieden. Auf geht’s nach Paje. Die Ostküste wartet auf uns. Dort merkt man die Gezeiten zwar stärker, dafür verschlägt es aber weniger Touristen dorthin. Unsere neuen Hosts Pia und Hasin lassen keine Wünsche offen und kümmern sich grandios um uns. Paje ist die Hochburg des Kitesurfings und auch wir wollen es probieren (endlich wieder Action!). Der starke Wind der letzten Tage verspricht einiges. Sollte man meinen. Wir buchen unseren drei Tages Anfängerkurs. Tag eins läuft gut. Und dann kommt es, wie es eben kommen muss: der Wind ist weg. Wir warten. Und warten. Und warten. Aber auch in den nächsten vier Tagen kommt er nicht mehr. Zumindest gibt’s das Geld zurück. Ein kleiner Trost. Ich habe ja nach dem ersten Tag schon kurz im Internet geschaut, was so ein Kiteschirm eigentlich kostet. Hab es wohl vor lauter Vorfreude und Ambitionen “verschrien”. Dann also zum Altbewährten zurückgreifen: Mit den Rädern erkunden wir die Gegend, rösten uns in der Sonne (das Sonnenbranddebakel haben wir mehr oder weniger hinter uns gelassen) oder Kletten auf Kokosnusspalmen. Im badewannenwarmen Wasser gibt’s dann die gesuchte Abkühlung- zwar kurzzeitig, aber immerhin. Ähnlich wie Lignano glaube ich, war ich aber ja noch nie. Ein Kilometer vor dem Festland schützt ein Riff die Küste. Hier gibts somit keine Wellen, und je nach Gezeiten ändert sich der Wasserstand.

In Paje werden dann auch die Beach Boys (die hier eher auf der Suche nach Abnehmern für ihre Souvenirs als nach Frauen sind) auf und aufmerkasm und nach ein paar Tagen kennen wir sie alle: Mr. Mango und Mr. Coconut, Lucas, Matheo, Salomon, Mr. Cheap Cheap und Mr. Good Price. Und alle sind sie eigentlich Massais und aus der Nähe vom Kilimanjaro. Wenn man nachfragt ob Moshi oder Arusha und welcher Stamm genau, werden die Antworten aber dann relativ schnell dünn. Nicht mit uns. Bald kommen sie einfach nur mehr so zum quatschen und wissen, dass wir nichts kaufen werden. Auch okay für sie, sie wollen sich einfach nur austauschen. No worries. Pole Pole (Langsam, langsam, der Leitspruch der Insel)- tagein tagaus. Ja, wir haben wohl das Paradies gefunden. Wir sind im “Hakuna Matata”- Lifestyle angekommen. Dieser Limbostatus, wo man vergisst, welcher Wochentag eigentlich ist und die Realität so weit weg zu sein scheint. Wir finden unser Lieblingsrestaurant mit dem klingenden Namen „Lecker Lecker“ (der Name ist übrigens Programm) und somit neue Freunde, schauen den Kühen am Strand zu, fahren unterm Sternenhimmel mit unseren Rädern in die Stadt und wieder heim. Die tägliche Kokosnuss, unser Lieblingsschattenbaum und der Strand 10 Meter vom Zimmer entfernt. Es fällt uns schwer, uns davon zu trennen. Wir verlängern, so lang es geht, ändern einige unserer Ausflugspläne aber irgendwann ist es dann doch so weit.

Der Tag der Abreise nähert sich und unsere letzten beiden Tage verbringen wir in Stone Town, auch bekannt als Zanzibar Stadt. Im wohl kleinsten Zimmer seit Hong Kong. Sightseeing und Souvenirshopping- ein Shop nach dem anderen. Good Cop, bad Cop- unsere Einkaufsstrategien gehen ganz gut auf und unsere Rucksäcke waren wohl noch nie so schwer und so voll. Alles nur für euch, liebe Daheimgebliebenen. Zwischendurch gibt’s Kokosnüsse und Smoothies, indisches Essen und Kaffee für Bernhard. Am Markt decken wir uns noch mit Gewürzen ein. So verwirrend das Straßenkonzept auch ist und obwohl wir nach jeweils 10 Minuten nicht mehr wissen, wo wir uns genau befinden, macht das gerade den Charme von Stone Town aus. Hinter jeder Ecke gibt’s was Neues zu entdecken. Orientalische Einflüsse, sowohl im Alltag als auch im Essen. 

11 Tage Sansibar. Vorbei wie im Flug.

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