Salar de Uyuni oder der “vom Winde verweht”-Blog

Wir können alle- und damit meinen wir wirklich alle!- Modern Talking Songs auswendig! Und wenn’s sein muss sogar von hinten nach vorne. Wie es dazu kam erfährt ihr in der heutigen Episode von „Warum ist es die ganze Zeit so arschkalt“.

Also, wir haben ja schon erwähnt, dass wir eine Tour von San Pedro de Atacama nach Uyuni gebucht haben. Man liest Schauergeschichten über diese Tour, und auch wir haben etwa alle Touranbieter (he, sind doch nur so 30-40) zweimal auf Herz und Nieren geprüft, nur um dann am Ende doch den Ersten zu nehmen. Noch am Abend vor unserer Abfahrt haben wir uns mit einem anderen Reisenden aus Argentinien unterhalten, der meinte, dass das Wetter die nächsten Tage im Eimer sein soll… Der größte Fehler des Tages ist aber, dass ich Melanie von 5 unterschiedlichen Internetseiten den Bewölkungsgrad und die Temperaturen für die nächsten Tage vorlese… Boah, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was danach los war, aber nachdem wir also im Kopf die gefühlt 20 000 möglichen Szenarien durchgespielt haben, kommen wir zu dem Entschluss, dass wir das durchziehen werden/müssen.
Am nächsten Tag werden wir also von einem Kleinbus abgeholt, der uns zur bolivianischen Grenze bringen soll, um danach in Kleingruppen in 4×4 Jeeps weiterzudüsen.
Überraschung (wie könnte es auch anders sein): Läuft nicht so wie geplant. Der Pass, den wir dazu überqueren müssten, ist aufgrund von Schnee geschlossen. Der Tourguide meint nur, dass wir auf jeden Fall heute fahren werden, nur wann ist die Frage. Da heißt’s mal warten, zwischendurch bekommen wir Frühstück und wir freunden uns mit ein paar Mitreisenden an.
Auf einmal muss alles schnell gehen, die Tourguides treiben uns wie Llamas vor sich her zur Ausreisekontrolle (Sachen gibt’s!) und nachdem mal wieder ein paar mehr Stempel in unserem Pass sind und alle Llamas- äh, Touristen- wieder im Auto sitzen geht es endlich los. Nach nur einer Stunde kommen wir an der Bolivianischen Grenzkontrolle an. Hätte man glatt vorbeifahren können, so unscheinbar wirkt das Ganze. Hier wiederholen wir das ganze Spiel, zack zack Stempel rein, einmal nicht aufgepasst und unsere Rucksäcke sind am Dach unseres Toyosa (ja der heißt so!) und wir sitzen im Jeep.

Zusammen mit Jorge, unserem Guide/Fahrer für die nächsten drei Tage und drei anderen Mitreisenden- Noah aus den USA und dem Pärchen Etienne und Maite aus Frankreich bzw. Brasilien. Wir freuen uns, dass wir nur zu fünft sind und etwas mehr Platz haben als erwartet. Jorge lässt den Motor an und es schallt „Eye of the Tiger“ aus den Boxen und es kann los gehen.
Schon nach ein paar Autominuten erkennen wir, dass unsere Trinkflaschen sich definitiv nicht dazu eignen offroad benutzt zu werden, was die ein oder andere ungewollte Dusche zur Folge hat. Über den Tag verteilt geht es von weißer Lagune über abstrakte Wüstenformationen, grünen Lagunen, Geysiren, Thermalbädern (wo man für 6 Bolivianische Bolivianos, absolut geile Währung, diesmal in wirklich warmen Quellen baden kann) zum Highlight des Tages: der Laguna Colorada. Wie der Name schon verrät ist diese Lagune bunt bzw. rot, sie sieht aus wie Gazpacho, aber die eigentliche Attraktion sind die unzähligen pinken Flamingos (wusstet ihr eigentlich, dass Flamingos ohne Farbe geboren werden und nur durch Nahrungsaufnahme, für die Chemiker unter euch durch beta-Carotin, ihre Farbe annehmen? Nein?! Habt ihr wieder was gelernt!). Diesmal kommen wir auch ziemlich nahe an die Flamingos ran, aber da sie ziemlich schreckhaft sind, muss man sich auf allen Vieren vorpirschen. Die Flamingos glauben sie sind bei Germany’s Next Topmodel Casting, so stolzieren sie herum, aber manchmal, so grazil sie auch sind, bleiben sie im Matsch hängen, was uns zum Schmunzeln bringt. Hätten sie mal doch öfter zuhause vor dem Spiegel üben sollen.

Es ist Zeit das Geheimnis zu lüften: Jorge, der mich ignoriert, weil ich kein Spanisch spreche, aber auch sonst öfter am Grummeln ist, liebt 80er Jahre Pop, spanische Schnulzensongs, seine eigene Band „Alaska“ und indogene Lateinamerikanische Klänge. Die gibt’s dann auch abwechselnd in einer Endlosschleife. Ihr solltet mal die Band Alaska googeln, waren gar nicht mal so schlecht. So geht es also begleitet von Cherry Cherry Lady zur ersten Unterkunft des Trips, einem Refugio auf gerade mal 4400m Seehöhe, was die Bolivianer ziemlich unbeeindruckt lässt, bei uns aber dazu führt, dass wir das Gefühl haben, dass unser Kopf gleich platzt. Wir kauen jede Menge Coca Blätter, trinken Coca Tee, aber wirklich helfen tut´s nicht. Spaß macht die Tour haben sie gesagt.
Trost spenden uns die süßen Llamas in der Nähe, eines davon überrascht uns sogar beim Essen. Dank Schlafsäcken und 7 Decken frieren wir in der Nacht nicht, aber vor allem das Kopfweh und der unablässige Wind lassen uns kaum ein Auge zumachen.
Apropo Wind, der lässt uns nicht mal eine Minute in Ruhe und auch fünf Oberteile (es lebe das Zwiebelprinzip) und zwei Hosen, zwei Socken, Handschuhe, Multifunktionstuch und Haube helfen nur wenig.

Am nächsten Tag geht es über Stock und Stein, Lagunen, verrückten Felsformationen mit zwischenzeitlichen Tiersichtungen (fancy ha) zu unserer nächsten Unterkunft, einem Salzhotel. Unglaublich aber wahr, das Hotel besteht aus Salz. Und zwar alles, Wände, Fußboden, Betten, Tische und Bänke. Keine Sorge, wir haben extra daran geleckt, um sicher zu gehen.
Auch hier kriecht uns die Kälte bis in die Knochen, bei manchen von uns (Melanie!) führt sie zu Existenzfragen.

Am nächsten heißt’s früh raus, um den Sonnenaufgang in der Salzwüste zu bestaunen. Melanie hat noch immer die Hoffnung nicht aufgegeben den Sternenhimmel fotografieren zu können, aber sie wird abermalig enttäuscht. Zu hell ist der Mond auf der einen Seite, zu schnell geht die Sonne auf der anderen Seite auf. Trotz Wolken ein eindrucksvolles Schauspiel.
Auch der Ort, an dem wir uns zu diesem Zeitpunkt befinden trägt sein übriges dazu bei: befinden wir uns doch auf der Isla Incahuasi, auch bekannt unter Isla del Pescado, ich nenne sie Kaktusinsel. Warum fragt ihr euch? Weil es hier jede Menge Kakteen gibt, einige von ihnen sogar über 400 Jahre alt. Schon verrückt, diese Inseln in der Salzwüste, von denen es 26 Stück gibt. Funfact: Die Isla Incahuasi ist die einzige Insel, auf der so viele Kakteen wachsen und wurde erst im Zuge des Tourismus vor 20 Jahren entdeckt. Die Insel kann nur während der Trockenzeit besucht werden, da sich die Salzwüste ansonsten mit Wasser füllt. Nachdem Frühstück am Fuße der Insel geht es dann weiter mit dem Jeep über die Salzpisten und wir verstehen warum es so einfach ist sich hier zu verirren. Während Jorge genau weiß wohin er muss, sieht für uns alles gleich aus.
Und dann ist es soweit, und auch wir können endlich diese dummen (sind gar nicht so dumm) Tourifotos machen, was uns sogar die Kälte für einige Zeit vergessen lässt. Unsere Mitfahrer haben eine Engelsgeduld (wir zuvor übrigens auch des öfteren :)) und Jorge schüttelt zum Schluss noch einige Asse aus seinem Ärmel.
Ein Highlight jagt das andere, und so geht es über das Salzmuseum, dem Dakar Monument zum Friedhof der Züge. Seit den 60er Jahren befinden sich hier ausrangierte Lokomotiven. Schon ein Wahnsinn, wofür man Touristen begeistern kann, wenn man es richtig verkauft.
Aber auch wir finden diesen Spielplatz für Erwachsene einfach super und klettern lustig drauf los. Nach einem letzten gemeinsamen Essen ist es an der Zeit sich von allen zu verabschieden, denn die anderen treten den Rückweg nach San Pedro de Atacama an und wir müssen erstmal die letzten Tage verarbeiten.


Verluste zu beklagen: Melanies Lieblingsohrring, meine GoPro (wieder gefunden) und meine Wasserflasche (wieder gefunden nach einem 2 km Lauf) und unser Herz an Llamas und Flamingos.

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5 Kommentare

  • Reply
    Ursula
    May 18, 2017 at 5:40 pm

    Sehr sehr cool eure Berichte. Und so tolle Fotos. Und Melanie, quatscht du ein wenig Spanisch?
    Freu mich auf die nächsten Berichte und Fotos.

    Lg Ursula

    • Reply
      Mel
      May 21, 2017 at 2:35 am

      Ja klar, ohne geht’s hier nur ganz schwierig. Bernhard probiert’s mit Händen und Füßen und bekommt meistens auch was er will, aber es ist schon leichter, wenn man etwas Spanisch kann. Ich ärgere mich etwas, dass ich es die letzten Jahre so schleifen haben lasse. Vor allem mit den ganzen Zeiten hab ich es nicht so und Vokabeln fehlen mir halt auch, aber es wird 😉 Also zum Überleben reicht’s definitiv und um den Leuten zu erklären, dass es bei uns keine Kängurus gibt 😉

  • Reply
    Karin
    May 19, 2017 at 5:08 am

    Also diese Fotos sind für mich bis jetzt die geilsten. Wowww!😲
    Danke für den tollen Reisebericht. Ist für mich immer wieder der Heileit des Tages.
    Macht es gut und genießt weiterhin diese tolle Tour. 😉👍

    • Reply
      Mel
      May 21, 2017 at 2:46 am

      Ja, die Fotos zu toppen wird jetzt schwierig. Aber wir arbeiten dran. 😉

  • Reply
    Anne
    May 20, 2017 at 8:22 am

    Daumen hoch!!!! kann ich nur sagen….danke für diese tolle Teilnahme an eurer Reise ( es lebe das Internet)..
    amazing pic`s…..einfach toll…genießt es weiterhin , mit Höhen und Tiefen ….bis zum nächsten Mal….Kussal … Anne

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