Sabah – oder der “Affen gaffen” Blog

Unser Weg führt uns von Singapur nach Borneo, genauer gesagt nach Kota Kinabalu. Im Nachhinein betrachtet eher eine unkluge Wahl, aber zu dem Zeitpunkt glauben wir noch fest daran, dass diesmal alles klappen wird. Wir kommen eher spät am Flughafen an und entdecken, dass alle Bankautomaten außer Betrieb sind. Super. Aber es gibt gratis Wlan also rufen wir uns ein Uber. Das funktioniert nur mittelprächtig, einer meint er hätte kein Platz für unser Gepäck (warum nimmt der dann bitte die Fahrt zum Flughafen an???) und der nächste versteht kein Englisch. Aller guten Dinge sind drei und wir schaffen es tatsächlich in ein Auto. Ein Drittel weniger kostet das Ganze, hat sich voll ausgezahlt dafür eine Stunde herumzukacken, reden wir uns zumindest im Nachhinein ein. Abendessen wird gestrichen, wir wollen einfach nur mehr ins Bett.

Wir haben Glück und sind an einem Wochenende in Kota Kinabalu, denn am Sonntag findet der wöchentliche Sonntagsmarkt statt. Dort gibt es dann alles, was man sich nur irgendwie vorstellen kann und dank Durian-Saison auch sämtliche Gerüche. Wir können uns übrigens nicht wirklich für Durian begeistern, aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. In sämtlichen öffentlichen Plätzen herrscht übrigens Durianverbot- finden wir gerechtfertigt. Wir gehen den Tag locker an und spazieren etwas herum, genießen den ein oder anderen Kaffee (und mit wir meine ich Bernhard), essen hervorragende Meeresfrüchte bei Welcome Seafood und schaffen es kurz vor Sonnenuntergang (knapp wars!) zur Stadtmoschee, die auch schwimmende Moschee genannt wird und wer auf die Fotos schaut weiß auch warum.

 

 

Während das mit dem Bus-raus-fahren ja noch einigermaßen einfach war, dreht sich der Spieß dann aber beim Zurückfahren. Irgendwie kommt da kein Bus. Und Ubers gibt es hier auch nicht oder vielleicht doch, aber ohne Internet ist Uber halt nutzlos. Also bleibt uns nichts anderes über, als ein Taxi zu nehmen, das wir uns dann mit einer Australierin und einer Philippinin teilen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Wir springen beim Nachtmarkt raus und dann gibt’s Runde zwei an Meeresfrüchten. Ein paar Kokosnüsse und Obst später war es das dann auch schon wieder für den Tag. So richtig viel gibt es hier in KK, wie die Leute Kota Kinabalu hier nennen, nicht wirklich und so hauen wir früher als geplant ab. Es geht zum Mount Kinabalu Park, einem Unesco Weltkulturerbe. Die verfolgen uns oder wir verfolgen sie.

 

 

Ich beschließe, genug gewandert zu sein und verzichte auf die Besteigung des Berges, zumal mir das Ganze einfach überteuert zu sein scheint. Und so wandern wir den Park ab, und wollen uns dann gerade auf den Weg zur im Moment blühenden Rafflesia aufmachen (übrigens der letzte Tag der eine Woche langen Blütezeit) als es zu regnen anfängt. Und mit regnen meinen wir schütten. Und mit schütten meinen wir ganze Flüsse kommen von oben runter. In unserem ganzen Leben haben wir noch nie so einen Wasserfall von oben erlebt. Der Boden schafft es nicht mal annähernd das ganze Wasser aufzunehmen und reißende Flüsse befinden sich dort, wo eben noch Wege und Straßen waren. Grund genug, den nächsten Bus nach Sandakan zu nehmen, zumal auch die Temperaturen drastisch gesunken sind. Wir stellen uns also unter und versuchen gleichzeitig den Bus abzupassen. Bushaltestelle gibt es hier nämlich nicht, wir müssen hoffen, irgendwie den Bus, der von KK südlich fährt, heranzuwinken. Die fahren natürlich nicht regelmäßig und keiner kann uns sagen, wann einer kommt bzw. wieviel einer kostet. Geld abheben haben wir nämlich auch vergessen und gerade noch 90 Ringgit in der Tasche, wir können nur hoffen, dass die Fahrt nicht mehr kosten wird. Wir sind ja mal optimistisch. Und unser „Plan“ geht auf. Gut, dass wir doch nicht das teure Eis gekauft haben oder per Taxi nach Ranau rein sind, nochmal Schwein gehabt. Die nächsten 4 Stunden verbringen wir also mit anderen nassen Personen im unterkühlten Reisebus, uns ist beiden kalt und die Geruchkulisse könnt ihr euch ja auch vorstellen. Wir kommen in Sandakan an. Dort fährt natürlich angeblich kein Bus mehr und wir sind einfach zu fertig, um das in Frage zu stellen. Kommt nicht oft vor, aber in Anbetracht dessen, dass wir noch 5 Ringgit in der Tasche haben (die restlichen haben wir bei der Raststation unterwegs für chinesische Teigtaschen ausgegeben!) nehmen wir das einfach mal so hin. Also ab zum Bankautomaten, der Taxifahrer will ja schließlich auch sein Geld, und dann zum Hotel, quasi gleich neben dem Bankautomaten. Eigentlich wollten wir ja erst morgen hier ankommen, also haben wir nichts vorgebucht, hätten wir mal lieber tun sollen, aber nach längerem Hin und Her bekommen wir trotzdem noch was und gehen erstmal Abendessen. Irgendwie geht’s ja immer.

Bernhard ist aufgeregt. Kommt nicht so oft vor. Okay, vielleicht wenn das neue Fifa Spiel endlich in der Post war oder beim Superbowl, aber so generell halten sich seine Gefühlsausbrüche in Grenzen. Aber es steht das Highlight unseres Aufenthalts hier an, mit einer der Gründe, warum wir überhaupt hier in Borneo sind, wenn nicht sogar der Hauptgrund: Heute ist der Tag, an dem wir Orang Utans sehen werden. Erklärt also, warum Bernhard auf seine fünfte Tasse Kaffee verzichtet und wir überpünktlich am Abfahrtsterminal stehen. Der Minibus füllt sich und los geht’s zum Orang Utan Rehabilitonscenter in Sepilok. Dort werden verwaiste, kranke oder misshandelte Affen aufgezogen, verpflegt und wenn alles gut geht, wieder in die Wildnis entlassen. Das Ganze ist natürlich ein langer Prozess und den kleinen Babies muss alles gelernt werden, sogar wie man sich an einem Seil festhält. Mit der Zeit lernen die Affen dann von den älteren Affen und irgendwann ist es dann soweit, und sie können das Zentrum verlassen. Aber selbst dann dauert es noch Jahre, bis sie wirklich selbstständig im Dschungel überleben können und deshalb wird zweimal pro Tag Futter für die Affen bereitgestellt. Das wird dann irgendwann immer eintöniger und so suchen sich die Affen irgendwann selbst im Dschungel Alternativen. Und dann, irgendwann, kommen sie hoffentlich gar nicht mehr oder nur selten zurück zur Futterstation. Gutes Konzept und wir mögen den Fakt, dass es auch sein kann, dass wir gar keinen Orang Utan zu Gesicht bekommen, quasi ja ein Zeichen dafür, dass das Rehabilitationszentrum ganze Arbeit leistet. Aber klar, wir hoffen natürlich darauf, dass sich einer blicken lässt. Und so stehen wir mit einigen anderen und warten. Und warten. Und warten. Der ein oder andere Affe schaut vorbei und stiehlt eine Melone oder eine Banane, aber keine Orang Utans. Die Reisegruppen gehen als erstes, haben ja meistens einen straffen Zeitplan. Und danach reißt auch vielen anderen der Geduldsfaden. Wir und eine Handvoll Andere bleiben stark. Wir schwitzen und in der Sonne hier im Dschungel sprichwörtlich einen Affen ab. Aber wir werden belohnt. Es ist unglaublich, als die gespannten Seile auf einmal zu schwingen anfangen. Bernhard sieht es als erster und gibt mir das Zeichen. Ganz weit weg, sieht man etwas Oranges, dass sich durch die Bäume bewegt und die Äste zum Rascheln bringt. Immer größer wird der Orange Punkt. Und dann ist es soweit und wir sehen endlich unseren ersten Orang Utan aus der Nähe. Das Beste? Baby Orang Utan ist auch mit von der Partie.

 

 

Das Warten hat sich somit mehr als gelohnt. Die beiden holen sich eine Ration Essen und verstecken sich hinter einem Baum. Verstehen wir, wir mögen das auch nicht, wenn uns jemand beim Essen zuguckt. Aber hin und wieder siegt dann doch die Neugier und sie kommen hervor. Und so schnell sie hier waren, so schnell sind sie dann auch wieder weg, zumindest für uns verfliegt die Zeit nur gerade so. Für uns geht es also weiter. Aber nur über die Straße, dort findet man nämlich das Sonnenbären Konservationszentrum. Und dort gibt’s, ja genau: Sonnenbären. In China und Vietnam wurden die niedlichen kleinen Bären aber gejagt und ausgebeutet (Gallenflüssigkeit ist sehr beliebt, da man ihr heilende Kräfte zuspricht) und so wird hier versucht, die Population aufrecht zu erhalten. Leider schaffen es nur wenige von den Bären jemals wieder in den Dschungel. Ein paar geben uns eine kleine Show und zeigen ihre Kletterkünste her und dank Fernglas sehen wir auch den ein oder anderen ein Nickerchen im Baum machen.

 

 

Pünktlich am Nachmittag und ein Eis später dann wieder zurück zu den Orang Utans, die zweite Fütterung steht an und wir wollen das Ganze nochmal sehen. Wir übersehen die Zeit etwas in der Aufziehstation, der Station, bei der die jungen Affen lernen zu schwingen und miteinander spielen können und die dazu dient, den Affen abzugewöhnen, am Boden herumzulungern (leichter gesagt als getan, die Tierpfleger haben hier ganz schön was zu tun, aber lustig für uns, wenn der Affe purzelbäumig vom Pfleger wegrollt). Wir laufen zur Fütterungsplattform und sind ganz überrascht- der Orang Utan war schneller als wir und sitzt schon ziemlich unbeeindruckt herum und isst seine Bananen. Der hier versteckt sich auch nicht vor uns. Wir sind beeindruckt, wieviel Mensch in so einem Orang Utan steckt. Das Ende eines guten Tages also. Wind zieht auf und der Orang Utan macht sich aus dem Staub, er ahnt nämlich schon was kommt: Es beginnt zu regnen.

 

 

Am nächsten Tag sieht die Welt schon wieder anders aus, gut so, denn für uns geht es zum Kinabatangan River. Mit Mr. Aji. Von dem haben wir das erste Mal in Südamerika erfahren und bei dem Namen können wir einfach nicht nein sagen. Einmal googeln später und Dank sehr eindrucksvollem Blog (giftgrüne Schrift zieht bei uns immer!) alles organisiert. Wir sollen um 10.30 abgeholt werden. Es geht- wie könnte es auch anders sein- mal wieder etwas schief und die Person, die uns mitnehmen sollte findet uns nicht. Und das, obwohl wir schon eine Stunde zu früh am ausgemachten Treffpunkt sitzen, weil es uns sonst zu knapp geworden wäre. Mist. Bernhard ist dann so geistesgegenwärtig jemanden um sein Telefon zu bitten und ruft Mr. Aji dann mal an. Und das Ganze klärt sich auf. Zumindest sind wir nur mehr halb so grantig. Wir hüpfen ins nächste Taxi, um das Auto vor uns einzuholen, und unser Taxifahrer gibt was er kann (ja, sogar der kennt Mr. Aji und ruft ihn sogar nochmal an, um zu besprechen wie wir das Problem lösen). Eine halbe Stunde später, haben wir dann das Auto eingeholt. Alles hat sich nochmal zum Guten gewendet. Wir lernen Lucy und Elliot kennen, die mit uns die nächsten zwei Tage verbringen werden. Zwei Stunden später kommen wir dann auch beim Homestay an. Wir checken ein (also soll heißen wir tragen unsere Rucksäcke ins Zimmer) und brechen kurz darauf zur Flusskreuzfahrt auf, dem Highlight unseres Aufenthalts hier. Anfangs hält sich unser Glück noch in Grenzen, aber dann wird es doch noch: Wir sehen jede Menge Affen- Babyaffen, spielende Affen, Affen die Sachen auf uns schmeißen und Affen die jede Hürde auf sich nehmen, um zu Futter zu gelangen.

 

 

Und Gott sei Dank auch Nasenaffen, dafür sind wir nämlich hier. Wenn Mutter Natur solche lustigen Kerlchen erschafft (wusstet ihr übrigens, dass die männlichen Affen STÄNDIG erregt sind?), dann können wir nicht nein sagen. Ein paar Hornbills, Krokodile und Vögel später genießen wir noch den Sonnenuntergang am Fluss, bevor es zurück geht.

 

 

Eine Dusche und ein unterhaltsames Abendessen später geht es auch schon wieder weiter: Der Night Walk steht an. Bernhard träumt immer noch davon eine Tarantel zu sehen, ich bin da ja eher zwiegespalten. Nach ein paar Minuten plötzlich Schmerzen an meinem Knöchel- wir bereuen übrigens mittlerweile doch unsere Wanderschuhe und die Wanderhose nicht mitzuhaben- mich haben Feuerameisen erwischt. Durch die Socken!! Im ersten Moment denke ich es ist ein Schlangenbiss, im zweiten Moment stelle ich mir eine riesige Spinne vor. Ich frage mich, wo das nächste Krankenhaus ist und wie Bernhard wohl allen erklären wird, dass ich in Borneo einen langsamen Tod gestorben bin. Irgendwann schaffe ich es dann doch: „Ähm, Mr. Aji, ich glaube mich hat was gestochen oder gebissen.“ Der ist gerade hinter mir unterwegs und meint nur, ihn hätten die Ameisen auch erwischt, halb so schlimm, sie folgen uns nicht und ich soll mal kurz auftrampeln. Okay, Okay. Ameisen. Ich werde nicht sterben! Brennt aber wie Sau. Erinnert mich an die Bulletants im Amazonas- an dieser Stelle möchte ich mich nochmal dafür bedanken, dass ich damals angeschrien und mir das erspart wurde. Aber keine Zeit zum Herumheulen. Zähne zusammenbeißen und weiter. Wir sehen jede Menge Insekten, ein paar Vögel und sogar einen Luwak, das Tier, dass den Kaffee wieder auskackt. Todmüde fallen wir ins Bett. Am nächsten Morgen geht es früh raus, noch vor dem Frühstück steht eine weitere Wanderung an, auch diesmal aber leider nur in unmittelbarer Umgebung. Wir sehen Elefantenspuren, aber Mr. Aji meint, dass die schon ein paar Wochen oder gar Monate alt sind, wäre auch zu gut gewesen. Ein Gibbon versteckt sich gut in den Baumwipfeln, aber wir erhaschen doch einen Blick. Wir finden ein frisches Orang Utan Nest, aber leider nicht den passenden Bewohner dazu. Sprich, wir haben diesmal einfach kein Glück. Geht ja auch nicht immer. Der Hunger treibt uns dann zurück. Duschen und frühstücken und dann heißt es für uns schon wieder Abschied nehmen, denn Lucy und Elliot bleiben noch eine Nacht, während wir uns zurück auf den Weg nach Kota Kinabalu machen. Mr. Aji’s Sohn bringt uns nach Kinabatangan, wo wir uns dann einen Bus runterwinken. Wir haben wieder die Klositze. Echt, die sparen die immer für die Touristen auf. Sechs Stunden später sind wir dann endlich in KK. Per Bus geht’s rein in die Stadt und zum Hotel. Das liegt- haben wir übrigens so geplant natürlich- gleich in der Nähe vom Nachtmarkt, wo wir dann auch lecker Essen gehen. Bernhard läuft noch schnell zum Hafen, um Tickets für den nächsten Tag zu kaufen, steht aber vor verschlossenen Türen. Also heißt‘s am nächsten Tag nochmal früher aufstehen als ohnehin schon nötig, das Frühstück im Gehen zu essen, um die erste Fähre nach Labuan und weiter nach Brunei zu erwischen. Brunei, ein Sultanstaat von dem die wenigsten von uns überhaupt gehört haben, steht nämlich als nächstes auf unserer Liste.

P.S.: Wir wollen hier ja nicht den Moralapostel spielen, aber wenn man in Borneo unterwegs ist, kommt man an einem Thema nicht vorbei: Palmöl. Wenn man zuhause auf der Couch sitzt, scheint das Thema irgendwie weit weg, wenn man dann aber vor Ort ist, die Straße entlang fährt und rechts und links nur mehr Palmen, Palmen, Palmen sieht, dann erkennt man relativ schnell, dass unser Luxus in der ersten Welt am Rücken dieser Staaten und den Leuten hier vor Ort ausgetragen wird. Und man fragt sich: Muss das alles wirklich sein. Klar, wir lieben alle Nutella. Und Schokolade. Und sowieso und überhaupt. Und ja, es ist schwierig. Aber vielleicht sollte uns das unser Planet auch wert sein und wir sollten einfach hin und wieder bewusst darüber nachdenken. Denn mal ehrlich- und das ist uns auch erst im Nachhinein bewusst geworden- warum sehen wir diese Nasenaffen denn genau an dem Fluss? Warum sind denn die Elefanten hier unterwegs? Einfache Antwort: Weil ihr Lebensraum kleiner wird. Und links und rechts vom Fluss ist halt noch Regenwald da. Also geht es für die Affen eben Richtung Fluss, wo wir Touristen sie dann eben bestaunen können. Ihr seht, alles hat zwei Seiten. Und wir versuchen es, aber scheitern auch oft daran. Aber die wichtige Botschaft? Weiter drüber nachdenken und selbst an der Nase nehmen. Denn nur wenn jeder Einzelne bereit ist etwas zu ändern, kann sich tatsächlich etwas verbessern. 

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1 Kommentar

  • Reply
    Karin Stanje
    October 1, 2017 at 05:50

    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich diesen Blog total vergessen habe zu lesen.
    Jetzt wurde das erledigt. Danke für diesen Humorvollen und interessanten Einblick dieser Reise.😄😂😂👍👍
    Es wäre ja für euch langweilig, wenn alles reibungslos geklappt hätte 😄
    Aber Gott sei dank ist das Glück immer mit dabei 😉👍
    Bist zum nächsten Mal 😉😘👍👍

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