Unterwegs im Norden von Thailand – oder der „Mai, Rai und Elefanten“ Blog

Bali. Bangkok. Chiang Mai. Willkommen in Thailand. Nach einem Tag voll von schlechtem Flughafenessen, Schlange stehen und verspäteten Flügen kommen wir kurz vor Mitternacht in Chiang Mai an. Wir bekommen nicht mehr viel mit. Ab zum Hostel und ins Bett. So zumindest unser Plan. Dauert zwar etwas, aber irgendwann schaffen wir es dann doch. Am nächsten Morgen ziehen wir erstmal in ein neues Gästehaus, danach erkunden wir mal zu Fuß die Stadt. Chiang Mai’s Altstadt ist quadratisch von einer nicht mehr vorhandenen Mauer umgeben an der man sich gut orientieren kann. Wir essen das erste Mal Khao Soi an einem kleinen Straßenständchen und wandern von Tempel zu Tempel. Wir wissen gar nicht mehr, wieviele es eigentlich genau waren. Viele, das könnt ihr uns glauben. Zurecht sind Wat Chedi Luang, Wat Lok Moli und Wat Phan Tao die bekanntesten in der Altstadt. Auch wenn sich einige Touristen hierher verirrt haben, wir sind überrascht, dass es uns hier besser gefällt, als erwartet. Die Stadt scheint dem ganzen Trubel aus dem Weg zu gehen, die Tourbusse halten sich nur bei den großen Tempeln auf und überhaupt ist hier alles eher ruhig. Wir gehen an diesem Tag mehr, als wir geplant hatten, wie es halt immer so ist, wenn man nichts vorhat und nur „ein paar Tempel“ anschauen will.

 

 

Abends verköstigen wir uns mal an Nachtmarkt Nummer eins, dem Bumrung Buri im Süden der Altstadt. Am nächsten Tag steht unser Highlight hier in Chiang Mai am Programm: Wir machen einen Kochkurs. Ja, Bernhard kann nicht nur essen, sondern auch kochen. Wenn er will, versteht sich. Wir haben uns für Asia Scenic Cooking entschieden und jeder von uns wird 7 Gänge zubereiten. Schnell kommen wir mit unserer Gruppe ins Gespräch und so verfliegt der Tag geradezu. Curry, Frühlingsrollen, Pad Thai, Sticky Rice mit Mango,… Wir sind vorbereitet! Nur ungern trennen wir uns von unserer netten Gruppe und wir bleiben viel länger sitzen, irgendwann werden wir dann aber rausgeschmissen.

 

 

Wir sind noch immer sehr voll vom vielen Essen, das hindert uns aber klarerweise nicht daran, den nächsten Nachtmarkt aufzusuchen. Diesmal geht es zum Chang Phuek Markt im Norden der Altstadt. Am nächsten Tag geht es mit dem Roller auf den Hügel Doi Suthep etwas außerhalb von Chiang Mai. Von dort hat man nicht nur eine gute Aussicht, sondern kann auch den touristenreichen Tempel Wat Phrathat Doi Suthep besuchen. Uns ist es hier ein bisschen zu voll und so machen wir uns nach einem Rundgang auch schon wieder auf den Weg.

 

 

Nach ein paar ungeplanten Stopps (Hunger und menschenleere Tempel, beide rufen unabhörlich nach uns!) kommen wir dann auch am zweiten Ziel des Tages an: der Silbertempel. Dieser besteht übrigens nicht wirklich aus Silber sondern hauptsächlich aus Aluminium. Ja, da spricht der Chemiker in uns, für euch anderen soll das heißen: Was mitzunehmen zahlt sich nicht aus. Könnte ich aber auch nicht, als Frau darf ich eh nicht in den Tempel. Am Nachtmarkt versuchen wir uns mal wieder in der Hätte-ich-gerne-will-ich-aber-nicht-noch-wochenlang-tragen-Taktik. Aber wenn wir schon nichts kaufen können/wollen, Essen geht immer.

 

 

Am letzten Vormittag in Chiang Mai macht uns der Feiertag zu Ehren des verstorbenen Königs einen kleinen Strich durch die Rechnung. Alles hat nämlich zu. Nur wir haben nicht dran gedacht. Schwarz gekleidet- oder zumindest so gut wie wir eben können- geht es trotzdem noch zum Warorot Markt. Dort kommen wir dann in den Genuss eines gratis Essens und können dann doch noch ein paar Vorräte einkaufen, bevor wir mit dem Bus nach Chiang Rai weiterfahren. Als wir ankommen ist es bereits dunkel, es regnet und auch hier hat natürlich alles zu, die Nahrungssuche und dementsprechend auch Aufnahme gestaltet sich also etwas schwierig. Man muss nehmen was man kriegt und irgendwas findet man ja immer, auch wenn es vielleicht nicht die ausgewogendste Ernährung ist (wir freuen uns schon wieder aufs gesunde Essen!). Hostel. Duschen. Schlafen. Das Reisen kann anstrengend sein!

Hauptattraktion Nr. 1 in Chiang Rai? Wat Rong Khun. Vielen auch bekannt als der weiße Tempel. Touristenmassen pilgern hier in Scharren her, aber da wir morgens etwas später als erwartet weggekommen sind- Moped organisieren, Wäsche abgeben, Infos holen für die Reise nach Laos und natürlich Frühstücken- haben wir einen günstigen Zeitpunkt erwischt. Der Tempel erscheint einem von weitem wie ein magischer Ort, ja sogar etwas unwirklich. Aber die Wirkung entfaltet sich erst so richtig, wenn man näher kommt und die vielen bizarren Einzelheiten erkennt. Da wären Köpfe, in die Pflanzen gesetzt wurden und die von Bäumen hängen, Totenkopfverzierungen oder nach oben reichende Hände umgeben von Skeletten. Selbst die Gestaltung des inneren Tempels- hier darf man leider keine Fotos machen- lässt keine Wünsche offen. Superman fliegt neben Hello Kitty an der Wand entlang, und wir zählen mindestens 5 verschiedene Pokemons.

 

 

Wie es so etwas geben kann? Ganz einfach. Der Tempel wurde von dem Künstler Chalermchai Kositpipat errichtet. Und der darf ja in seinem eigenen Tempel quasi machen, was er will. Und so muss man sich das Ganze eher als ein Kunstobjekt, als einen Tempel vorstellen. Den Touristenmassen gefällts und uns auch. Über den Singha Park mit seiner riesigen Skulptur eines Löwen geht es dann wieder zurück in die Stadt, die wir noch im Schnelldurchlauf anschauen (hier gibt es nicht wirklich viel!). Wir organisieren noch alles für den nächsten Tag und Bernhard genießt seinen Kaffee, bevor wir zum Abendessen auf den Nachtmarkt schlendern. Es gibt unseren ersten Hot Pot hier in Asien.

 

 

Am nächsten Tag steht unser Highlight an. Aber dazu müssen wir erstmal ausholen: Als wir beschlossen haben Thailand einen kurzen Besuch abzustatten, ging das einher mit „wär schon cool mal einen Elefanten zu sehen“. Und so landeten wir also voller Vorfreude in Chiang Mai und holten jede Menge Infos ein. Über diese ganzen Elefantenrettungsstationen und alles drumherum. Und dann, nach langer Recherche haben wir beschlossen, wir werden keine dieser Elephant Sanctuaries besuchen. Ja, bei vielen werden die Elefanten nicht mehr geritten. Und ja, manchen von diesen Elefanten mag es heute besser gehen als zuvor. Aber noch immer werden diese Elefanten zu touristischen Zwecken missbraucht und machen für ein Selfie ihre Tricks. Ja, vielleicht konnten sie die Tricks schon bevor sie dorthin kamen, vielleicht macht es ihnen auch wirklich Spaß jeden Tag von 30 unterschiedlichen Menschen mit Schlamm eingerieben und gewaschen zu werden. Wir bezweifeln es aber und können so etwas nicht unterstützen. Wer will, kann sich gerne noch länger damit befassen, das Internet liefert genug Informationen. (PS: Im Vergleich zu Laos oder Kambodscha befindet sich Thailand schon viel weiter im Aufbruch. In anderen Ländern wird Elefantenreiten – sogar mit den Sätteln- noch verbreitet angeboten. Elefanten sind defnitiv nicht zum Reiten gemacht und leiden jahrelang unter Wirbelsäulenproblemen!!) Wir haben uns also damit abgefunden, es wird keine Elefanten für uns geben.

Und dann kommen wir nach Chiang Rai und entdecken Elephant Valley Thailand. Die Skepsis wandelt sich schnell in Freude um. Das Projekt gibt es erst ein knappes Jahr in Thailand und der große Bruder befindet sich in Kambodscha. Beide Male lesen wir nur Gutes darüber. Zu gut um wahr zu sein?

Früh morgens werden wir von einem quirrligen Briten namens Jack abgeholt. Wie sich herausstellt auch der Manager des Projekts und übrigens auch der Namengeber für diesen Blog. Nach einer kurzen Autofahrt kommen wir im Park an. Kaum ausgestiegen hören wir schon das erste Toröööö. Klingt aber nicht so wie bei Benjamin Blümchen. Elefanten können sogar ganze Sätze bilden und miteinander kommunizieren, ja „Achtung Löwe“ klingt unterschiedlich als „Uh, da vorne gibt es Wasser“. Wir sind beeindruckt von der Anlage auf der sich im Moment 6 Elefanten befinden. Absichtlich auf gerade Mal 2 Hektar. Denn nur so kann das Elephant Valley Projekt anderen Menschen vor Ort zeigen, dass auch mit einem System mit geringem Platz, ohne Elefanten reiten oder waschen, eine Alternative zu aktuellen Methoden bietet und dennoch profitabel ist.

 

 

Die Elefanten hier sind übrigens gemietet, denn vielen Elefantenbesitzern fällt es schwer, sich von ihnen zu trennen, zumal dies auch oft mit der Kultur verwurzelt ist. Aber viele wollen eben auch, dass es den Elefanten gut geht. Mehr als 3000 Elefanten befinden sich alleine in Thailand in Gefangenschaft- zu touristischen Zwecken oder für die Holzwirtschaft. Ändern tut sich nur langsam etwas, es ist ein langwieriger Prozess die Menschen hier, aber auch in den Industriestaaten zu verändern. Wer will denn nicht gerne einen Elefanten reiten. Wenn man dann aber mal die Striemen, die Verhärtungen und jahrelangen Wunden von den Elefanten gesehen hat vergeht es einem dann doch schnell. Nicht zu schweigen davon, wie sich auch das Rückrat verändert und zu Missbildungen führt. Elefanten, die jahrelang in Gefangenschaft leben, haben- wie übrigens auch viele Tiere in Zoos- eigene Ticks. Ist der Kopf mit den Fuß verbunden, bekommen sie oft eine schlechte Haltung. Wenn Elefanten also von rechts nach links pendeln, dann tanzen sie nicht für einen, sondern sie stehen unter Stress. Und das erkennt man noch jahrelang später. Umso beeindruckender ist dieses Projekt hier. Natürlich steckt es noch in den Kinderschuhen. Die Elefanten müssen erst mal wieder lernen, was es heißt ein Elefant zu sein. Aber hier wird nicht mehr negativ bestraft, die Elefantenhüter benutzen keine Stecken, Nadeln oder Haken. Elefanten dürfen ins Wasser gehen, wann sie es wollen. So kommt es auch, dass wir leider kein Elefantenbad sehen. Es ist einfach nicht heiß genug und die Elefanten haben keine Lust. Aber genauso soll es sein. Wir kommen den Riesen selten nur einmal näher als 10m. Nämlich dann, wenn wir sie mit Bananen füttern dürfen. Der Tag fliegt nur so an uns vorbei. Wir lernen nicht nur eine Menge, wir genießen die Zeit hier auch einfach nur. Sitzen und staunen. Schauen, wie die Elefanten miteinander kommunizieren, achten auf das Ohrenwackeln, lachen, wenn sie sich an Bäumen kratzen und wie geschickt sie mit dem Rüssel umgehen können. Auch hier gibt es noch genug zu tun. Vom dreistufigen Prozess, um die Elefanten irgendwann wieder in freier Wildbahn aussetzen zu können, spricht man zwar, ist aber noch weit entfernt. Und genau hier kommen wir alle ins Spiel. 

Wir hören oft, dass man als Einzelner nichts ändern kann. Aber ist das tatsächlich so? Als Reisender trägt man auch eine gewisse Verantwortung. Man kann verschiedenste Tourangebote einfach nicht unterstützen, genaue Recherche und Aufklärung betreiben. Und als Mensch? Als Mensch kann man die Natur und die Tiere achten.

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