Der Norden Perus – oder der “keine Touristen” Blog

Morgens geht es weiter nach Tarapoto. Vollkommen fertig und vermutlich immer noch nicht ganz sauber schaffen wir es endlich in ein Hostel. Scheinbar waren wir noch nicht  ganz munter, denn warum wir nicht gleich bei der Eingangstüre umgedreht haben ist uns bis heute ein Rätsel. Eine verrückte Nacht steht uns bevor, denn wir sind umzingelt von den Verrückten dieser Welt!

Tarapoto an sich bietet nicht viel. Wir nehmen ein Taxi zu einem Wasserfall, an dem man baden kann und sind etwas enttäuscht. Viel zu viele Leute sind hier und den Wasserfall haben wir uns ehrlich gesagt auch etwas anders vorgestellt. Schnell ist unsere Entscheidung getroffen, am nächsten Tag wieder weiterzufahren. Und das machen wir dann auch. Das Hostel hat uns die Entscheidung auch nicht unbedingt schwer gemacht und wir sitzen mal wieder am Busbahnhof. Irgendwie habe ich ein komisches Gefühl. Ich frage Bernhard zum dritten Mal, ob er in diesem Hippie- Paradies auch unterm Bett nachgeschaut hat, ob wir auch nichts vergessen haben. Seine Antwort- wie immer- ein Augenrollen. So ganz nebenbei frage ich dann nochmal: „Das Handtuch und die Badesachen hast du auch oder?“ (Hab ich ihn nämlich vor dem Frühstück noch daran erinnert, nachdem mir mitten in der Nacht eingefallen ist, dass wir noch Sachen zum Trocknen hängen haben). Bernhard greift sich auf den Kopf und sämtliche Farbe verlässt sein Gesicht. Shit. Er schimpft mich, immerhin weiß ich doch, dass er sich soviele Dinge auf einmal nicht merken kann (Männer!). Wir schauen auf die Uhr und kalkulieren, immerhin haben wir die Tickets ja schon. Müsste sich ausgehen. Gauben wir. Also springt Bernhard in ein Motorkar und…. Fährt nicht. Kommunikationsprobleme. Hätte vielleicht doch lieber ich fahren sollen?! Gerade als ich mich auf den Weg machen will (Wer passt denn dann aufs Gepäck auf!) fährt er doch los. Und ich sitze auf heißen Kohlen. Wir laden mal die Rucksäcke wieder aufs Dach und der Fahrer ruft alle Leute auf, die nach Chachapoyas fahren wollen. Er deutet mir mindestens dreimal endlich einzusteigen, aber ich versuche Zeit zu schinden, denn von Bernhard ist weit und breit keine Spur. Und dann, endlich, sehe ich ihn kommen, wir schnappen unsere Tagesrucksäcke und ab in das Colectivo. Keine Minute zu früh.

Apropo Colectivo. Wenn man colectivo- also Kleinbus- Fahrer wird, bekommt man scheinbar zum Autokauf oder Einstieg immer die gleiche Sammlung CDs geschenkt. In jedem- wirklich jedem- Colectivo läuft die gleiche Musik. Spanische Latinomusik versteht sich. Selten aber doch vielleicht der ein oder andre Celine Dion Song. Von Modern Talking haben wir uns Gott sei Dank in den Anden verabschiedet. Die Lautstärke muss auf jeden Fall so angepasst werden, dass sich Insassen nur schreiend verständigen können und man trotz eigenem Mp3-Player noch jedes einzelne gesungene Wort versteht. Soll ja niemand einschlafen hier. (Bernhard der Verräter schafft das trotzdem!) Kein Wunder, dass man laute Musik hören muss, sind doch die Fenster auch IMMER geöffnet. Scheiss auf’s Wetter. Hitze. Offenes Fenster. Kälte. Offenes Fenster. Regen. Offenes Fenster. Rucksäcke übrigens natürlich am Dach. Mit Netzen festgezurrt. Und bestens vor Wind und Wetter geschützt versteht sich. Nicht! Aber nicht vergessen, hier tritt wieder die Regel in Kraft: Glaube niemanden, aber vor allem niemanden, der dich von A nach B bringen soll. „Amigo, die Rucksäcke sind geschützt, ja?!“ „Aber natürlich! Außerdem nieselt es ja nur“ – es schüttet! Und so wird oft also nicht nur der Hahn am Dach nass, sondern eben auch unsere Rucksäcke.

Geschafft. Wir steigen in Chachapoyas aus. Irgendwie leer hier. Haben wir uns schon in Tarapoto gedacht, aber hier bekommen wir die Bestätigung: Im Norden gibt es definitiv nicht soviele Touristen. Die stellen sich noch immer scharenweise bei Machu Picchu an scheint es. Gut für uns, mal ein paar Tage nicht die gleichen Gespräche führen, denken wir uns zu dem Zeitpunkt noch, werden es aber bald dennoch vermissen. Chachapoyas ist Ausgangspunkt für viele Tagestrips, aber wir hinken dem Zeitplan etwas her und beschließen nur zwei davon zu machen: Kuelap und den Gocta- Wasserfall.

Kuelap gilt neben Machu Picchu als die größte Inca Ruine Perus, wenngleich sie auch bei weitem weniger besucht wird. Wir kommen in den Genuss, die erst kürzlich eröffnete Seilbahn benutzen zu können und haben eine Menge Spaß, denn es ist das erste Mal für eine Familie aus Peru, die sich mit uns die Gondel teilt. Die können unsere fehlende Begeisterung ob der Fahrt mit der Gondel nicht ganz nachvollziehen, aber wir erklären, dass wir das in Österreich durchaus schon des Öfteren mitgemacht haben. Oben angekommen ist es nur ein kurzer Fußweg zur Festung. Kuelap ist in einen unteren und einen oberen Bereich eingeteilt und prinzipiell eine Prä-Inka Festung, die danach von den Inkas eingenommen wurde.

Am nächsten Tag geht es dann zum Gocta-Wasserfall. Dieser beeindruckt mit seinen 771 m durchaus. Bis heute sind sich die Experten unsicher, wie sie ihn denn in die Liste der höchsten Wasserfälle einordnen sollen. Hoch ist er jedenfalls, das können wir bestätigen. Und nass und kalt ist es auch. Der Hin- und Rückweg dauert jeweils etwa 2.5 Stunden und man kann sich die Arbeit auch erleichtern und ein Pferd nehmen. Tun wir aber nicht, wenngleich uns die peruanische Familie am Vortag schon erklärt hat, wie hart der Weg sein soll, hat doch der Familienvater unseren Guide tatsächlich gefragt, warum man denn nicht einfach eine Straße – durch den Dschungel wohlgemerkt – zum Gocta- Wasserfall baut, damit man sich die fünfstündige Wanderung sparen könnte. Ja, die Peruaner sind ein geh-faules Volk. Ausnahmen gibt es natürlich. Und mal ehrlich, die ganzen Esel und Pferde, die einen zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten bringen, sind auch nicht nur für ausländische Touristen, so viele Seniorenbusfahrreisen gibt es hier nämlich gar nicht. Aber brauchen ja auch einen Job- die Esel und Pferde. Show ist den Peruanern auch wichtig. Dschungel ja, aber gehen, nein. Da ist es schon besser wenn der Affe oder das Faultier zu einem selbst gebracht wird, anstatt sich selbst auf die Suche zu begeben. Und spätestens als unser Guide am Gocta-Wasserfall meint, mit uns würde er ja die Tageswanderung gerne machen, aber mit den ganzen Peruanern lieber nicht und uns ein zahnloses Lächeln schenkt, wissen wir wie der Hase läuft. Ach ja, der Guide ist übrigens selbst Peruaner! Wir sind ja selbst nicht die größten Wanderer. Klar, wir gehen gern mal auf den Berg, aber wenn wir uns im Sommer am Wochenende zwischen See oder Wanderung entscheiden müssen, gewinnt meist der See. Mit der Argumentation, dass wir ja auch im Herbst noch wandern gehen können… Und mal ehrlich, schon gut so mit dem Buch in der Hand (ich) oder schlafend im Schatten (Bernhard) zu entspannen. Sprich, soviel wie in den letzten paar Wochen wandern wir sonst im ganzen Jahr. Und obwohl Bernhard dann immer meint, dass es ja gar nicht anstrengend war (eine Lüge! Aber das Ego, ihr wisst schon!) hält sich schön langsam unsere Begeisterung dafür doch in Grenzen. Hat uns halt niemand gesagt, dass es hier in Südamerika soviel zu wandern gibt… Scherz beiseite….

Chachapoyas ist ein ruhiges Städtchen und es gefällt uns hier, Es gibt gutes, günstiges Essen und auch wenn wir uns erst mal wieder an die tiefen Temperaturen gewöhnen müssen, könnten wir es hier noch etwas länger aushalten. Wir entscheiden uns dagegen, an die peruanische Nordküste zu fahren und beschließen gleich von hier weg nach Ecuador zu reisen. Über einen selten benutzten Grenzübergang namens La Balsa. Zwei Tage soll das ganze also dauern, immerhin müssen wir einige Male „umsteigen“, die verschiedensten Transportmittel benützen und auch der Grenzübergang hat nicht immer geöffnet. Aber wir sagen ja nie nein zu einem Abenteuer.

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1 Kommentar

  • Reply
    Karin Stanje
    July 28, 2017 at 7:11 am

    Habe wieder sehr gerne diesen Blog gelesen.
    Ok ich bin vor Ort,aber für mich klingt das wieder abenteuerlich. Was der Ort nicht so bringt (eurer Meinung nach), bringen es die Fahrten bzw. die “Aufstiege”. Ich glaube ich war in mein früheren Leben auch ein Peruaner. Wandern ist auch nicht mein Ding,mit einem Wort -FAUL!!!!!!
    Trotzdem finde ich die Fotos interessant. Danke 😉👍👍👍
    Bis bald 😘😘😘

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