Medellín – oder der “auch Google hat nicht immer recht” Blog

Medellín. Der Grund warum sämtlichen Eltern das Herz stehen bleibt, wenn man verlautbart, dass man nach Kolumbien fährt und der Rest meint, ob man denn wirklich sicher ist, dass man nach Kolumbien will. Zum Teil verständlich, wenn man mal Dr. Google befragt, aber hier gleich mal Entwarnung: in den letzten 20 Jahren hat sich viel getan, vor allem beim Sicherheitsaspekt und wenn man mit offenen Augen durch die Welt läuft passiert einem hier gar nichts. Nichtsdestotrotz, ihr kennt uns ja- wenn uns jemand sagt, wo wir NICHT hinsollen, dann sind wir die ersten die in den Bus steigen. Und im Nachhinein? Absolute Reiseempfehlung unsererseits, und nicht nur um unsere eigene Entscheidung zu rechtfertigen, sondern weil Kolumbien einfach schön ist. Und selbst wir haben nur einen Teil davon gesehen! Vor allem hier gibt es guten Kaffee. 

Medellín also. Das Fernsehen und Netflix hat uns hauptsächlich eines gelehrt: Pablo Escobar war hier. Den Einheimischen hier, den sogenannten Paisern, stinkt das aber schon ziemlich. Lieber würden sie mit einem über Shakira reden. Die ziert übrigens auch jede dritte Werbereklame. Shakira ja also, Pablo Escobar nein. Quasi der Voldemort unter den Kolumbianeren. Der dessen Name nicht genannt werden darf.

Wir kommen spät am Abend in Medellín an und kaum wachen wir am nächsten Morgen auf, erkenne ich: Das Sightseeing wird sich bei mir heute auf den Weg vom Zimmer zum Klo beschränken. Ähm ja, das war dann wohl mal nix. Bernhard gammelt irgendwie auch den halben Tag herum und kann sich nicht aufraffen alleine die Stadt zu erkunden. Verstehe ich, ich würde ohne mir auch nirgendwo hingehen. Müsste er ja selbst mal spanisch sprechen. Nachmittags rafft er sich dann doch mal auf, der Hunger ist einfach zu groß. Am nächsten Tag geht es dann auch mir schon wieder besser. Eine Free Walking Tour später haben wir dann auch einen guten Überblick über die Stadt. Mitten in Boteros Skulpturenpark, auf der Shoppingmeile, im Park. Eine Packung Riesenameisen später ist der Tag auch schon wieder rum.

 

 

Am nächsten Morgen geht es nach Guatape, einem kleinen Dorf etwa 2 Stunden außerhalb von Medellín. Bunt ist es dort, in dem Dorf am See. Etwas weiter davon befindet sich El Peñón, oder „der Stein“. Der Name lässt nicht mehr viel Fantasie über: Man möge es kaum glauben, aber es handelt sich um einen großen Stein. Und wo ein großer Felsbrocken, dort sind auch jede Menge Touristen. Und wir mischen uns also quasi unter das Volk. Rauf geht’s die 657 Stufen, unser heutiges WOD quasi. Der Wind pfeift uns um die Ohren, aber der Ausblick ist super. Also, nachdem wir uns durch zig Kolumbianer bis an den Rand der Plattform gekämpft haben. Ich finde es super, Bernhard hadert noch mit seiner Begeisterung. Ganz schön hoch hier und vor allem ganz schön steil. Aber er schlägt sich tapfer. Der nächste Schub an Touristen kommt an und uns reicht es dann auch wieder, genug blonde Haare von der neben mir im Mund gehabt, wir brauchen Luft. Also geht’s wieder runter, im Schneckentempo allerdings, irgendjemand hält hier den Verkehr auf. Mit dem Taxi-Jeep geht es zurück ins Dorf, das wir dann auch erkunden. Die Zeit vergeht so schnell und kaum haben wir noch gegessen und uns das obligatorischie Kokosnusseis gegönnt sitzen wir auch wieder im Bus zurück nach Medelllín.

 

 

Der nächste Tag wird gut genützt. Mit der Seilbahn geht es einmal in den Westen rauf, um Medellín von oben zu bestaunen. Und weil wir zwei ja Streetart Liebhaber sind, lassen wir uns auch Kommune 13 (erinnert das sonst noch jemanden an Hunger Games???) nicht entgehen. Das Viertel im Hang lässt sich mit Rolltreppen bezwingen. Aber wir wären ja nicht Bernhard und Melanie, wenn wir genau das nicht machen würden. Wir zwei Deppen erwischen mal wieder die falsche Abzweigung, so vertieft waren wir in unsere Diskussion. Bernhard gibt ja bis heute maps.me die Schuld, aber im Nachhinein hätten wir uns das schon denken können. Naja, dafür geht’s quer durch Kommune 13, vorbei an Wäscheleinen, tanzenden Jugendlichen und Omas, die uns etwas grantig anschauen. Bergauf. Stufen. Stufen. Stufen. Ach ja, und bei gefühlt 35°C und Sonnenschein. Spätestens in der Mitte denken wir uns, dass hier was nicht stimmen kann. Kennt ihr das, wenn man sich quasi schon so weit in die Scheisse geritten hat, dass man es quasi durchziehen muss? Ja, so geht es uns öfter. Also weiter rauf. Oben angekommen, frage ich dann mal außer Puste nach dem Weg zu den Rolltreppen. Weiter rüber also. Die ersten Graffitis sehen wir auch schon. Und dann kommen wir vor Ort an: Nur halt am oberen Ende, nicht am unteren. Ein Killerblick zu Bernhard später, gibt es erstmal was zu trinken.

 

 

Und dann geht es runter. Diesmal mit der Rolltreppe. Da gibt’s einmal was gratis, und wir zwei sind natürlich zu verplant Mit der Metro geht es zurück. Wir haben mal wieder gut geplant (räusper 😉 ) und sind zur Feria de las Flores, also zum Blumenfest in Medellín. Die Oldtimerparade steht an und wir sind mitten drinnen. Für die Einheimischen hier die perfekte Gelegenheit, am Sonntag Nachmittag einen Grund zu haben sich zu betrinken, zumal am Montag frei ist. Mein Magen will da noch nicht so recht. Aber von der Parade geht’s zum Festplatz und wir bestaunen die Blumengestecke, saugen die Gerüche der diversen Foodtrucks und Stände ein und freuen uns Teil des Gewusels zu sein. Der nächste Programmpunkt? Wir müssen noch Bandeja Paisa essen, die Spezialität hier und das vermutlich Kalorienreichste Gericht unseres Lebens. Wer es nicht glaubt, google ist euer Freund!

 

 

Abends geht es mit dem Nachtbus weiter. Wir haben uns entschlossen, noch zwei Tage nach San Gil zu düsen. San Gil ist quasi das Outdoorabenteuerparadies Nummer eins in Kolumbien und wer kann dazu schon nein sagen. Früh morgens kommen wir an und können Gott sei Dank schon einchecken. So eine Dusche wirkt einfach Wunder. Wir erkunden die Gegend ein bisschen und erledigen das Wichtigste: Wir buchen unseren Rafting Trip für den nächsten Tag- übrigens mit dem kolumbianischen Rafting Nationalteam. Jap. Es geht auf den Rio Suarez, nicht gerade ein Beginnerfluss, immerhin sind die Stromschnellen hier durchgehend zwischen III und V. Aber ich habe etwas Erfahrung und Bernhard ist fit genug und wir können schwimmen. Also alles okay. Den Abend verbringen wir mit anderen Mochileros- so nennen die hier die Rucksackreisenden- im Gemeinschaftsraum und reden bis spät in die Nacht. Am nächsten Morgen geht es dann los. Gemeinsam mit zwei Holländerinnen und einigen Kolumbianern und einer lustigen Autofahrt später kommen wir an. Nach der halbstündigen Sicherheitsbelehrung, bei der einem fast die Lust wieder vergeht und einigen Übungen wie Rettungsmaßnahmen etc. geht es dann los. Ein letztes Mal noch geübt, wie man sich am Rettungskajak festhält und ein lockerndes „Leute, das ist nur für Notsituationen. Wie beim Flieger, wir sagen euch das, aber es wird vermutlich nicht eintreffen“ später paddeln wir dann endlich los. Bernhard ist übrigens der Hahn im Korb, abgesehen von Ricardo, unserem Guide. Die Schlachtrufe fallen also eher weiblich aus. Aber auch wir Frauen können paddeln. Wir sind als erster bei den Stromschnellen. Und alles muss schnell gehen, vorwärts, rein ins Boot, wieder hinsetzen, weiter paddeln. Die Schultern brennen, wir lieben es. Dann hören wir einen Aufschrei und unser Guide wird nervös. Wir halten seitlich an und er springt raus. Ein Boot ist gekentert, mitten in den Stromschnellen. Wir sehen eine Person auf einem Stein stehen, eine andere hält sich woanders fest. Die Kajaker sind hilflos, kommen nicht hin. Worst case also schon jetzt, noch bevor wir überhaupt bei den starken Stromschnellen angekommen sind. Alle schlucken mal, aber als dann alle gerettet sind und zu uns paddeln und uns „Ihr habt den ganzen Spaß verpasst“ zurufen, sind alle wieder happy.

 

 

Die fünf Boote legen wieder ab. Die Zeit vergeht wie im Flug. Zwischendurch meint Ricardo „Wenn ihr wollt, könnt ihr hier ins Wasser“. Kaum gesagt, bin ich schon mal weg. Wasser und ich. Wasser schlucken wir übrigens genug. Und das ist es auch wert, bestes Rafting ever. Einmal noch eine heikle Situation, aber auch die geht gut aus. Aufregend also. Viel zu schnell ist es wieder vorbei und nach dem verspäteten Mittagessen geht es wieder zurück. Diese Nacht schlafen wir wie Babys. Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Bogotá und uns wird einmal mehr bewusst, dass sich unsere Reise dem Ende nähert. Nicht einmal mehr eine Woche trennt uns noch vom Abflug.

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1 Kommentar

  • Reply
    Karin Stanje
    August 29, 2017 at 6:04 am

    Eine bunte Stadt,das gefällt mir total. Wieder einmal tolle Aufnahmen. 📸
    Da bin ich auch eurer Meinung, dass es hier wunderschön und interessant ist.😊😁👍

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