Über den Mekong Fluss bis nach Luang Prabang – oder der “Servus in Laos” Blog

Etwas verspätet, weil wir unseren eigentlichen Bus verpasst haben, steigen wir in Chiang Rai dann endlich in den lokalen Bus ein. Sprich, wir erleben mal wieder was. Von Frischfischtransport, bis zum beinahe Verlust unserer Rucksäcke, die sich in einer Kurve fast aus der immer offen stehenden Bustür verabschieden, es ist mal wieder alles dabei. Uns rinnt der Schweiß langsam tröpfchenweise den Rücken runter, aber immerhin hat der Bus Ventilatoren. Jap, Ventilatoren. Wir kommen früher als erwartet- unsere Erwartungen sind übrigens immer sehr gering- in Chiang Khong an und beschließen, noch am gleichen Tag über die Grenze zu gehen, um an nächsten Tag nicht so früh aufstehen zu müssen. Mit uns sind noch ein paar weitere Backpacker unterwegs, da werden sie uns ja wohl hoffentlich nicht an der Grenze stehen lassen. Tun sie nicht, aber wir zahlen extra, weil die Beamten Überstunden machen müssen. Hier gibt es einfach immer einen Grund, den Touristen ein paar Euros zusätzlich aus der Tasche zu ziehen. Auch die Visa-Kosten in Laos lassen sich nicht so einfach aufschlüsseln, aber man muss wissen wo man seine Schlachten schlagen kann und die Grenzkontrollen gehören nicht dazu. Es dämmert schon, als wir dann zu sechst endlich nach langem Verhandeln und Hin und Her in ein „Taxi“ steigen, dass uns nach Huay Xai bringt, wo wir die Nacht (in einem gesundheitlich leicht bedenklichem) Hotel verbringen werden. Als wir ankommen ist es finster und wir wollen einfach nur mehr Essen und ins Bett. Frühmorgens machen wir uns mit unseren Rucksäcken auf Richtung Ablagehafen. Für uns geht es nämlich die nächsten zwei Tage mit dem Slowboat den Mekong Fluss entlang bis nach Luang Prabang. Alternativ könnte man das Ganze auch per Speedboot hinter sich bringen, aber das sieht erstens ziemlich unbequem aus und zweitens schrillen schonmala alle Alarmglocken, als wir sehen, dass die Kapitäne Helme tragen, den Touristen aber keiner Angeboten wird. Lassen wir mal lieber sein. Obwohl wir unsere Plätze zugewiesen bekommen haben, hat das natürlich mal wieder nicht geklappt, aber so enden wir auf einer überraschend bequemen Bank gegenüber von Rachel und Chris, einem Pärchen aus Dänemark und England, die uns die nächsten Wochen noch begleiten sollen. Wir haben Glück, und es will sich niemand mehr zu uns setzen, die Fahrt fängt vielversprechender an als erwartet.

 

 

Ich bilde mir ein, ein paar Brocken österreichisch zu hören, aber tue es als Unfug ab. In den ganzen Monaten, in denen wir bis jetzt unterwegs waren, haben wir gerademal eine Handvoll Österreicher getroffen, die Wahrscheinlichkeit auf einem kleinen Boot- wenn auch überraschend voll mit Touristen und nur wenigen Einheimischen- Landsleute zu treffen erscheint zu gering. Aber immer wieder höre ich ein paar Brocken. Wie sich später herausstellen soll, Österreich müsste im Moment ziemlich leer sein, denn anscheinend befindet sich das halbe Land in Laos. Dürfte wohl ein gutes Rundreiseangebot von Hofer-Reisen gegeben haben. Oder werden Reisen nach Laos im Moment gefördert und nur wir wissen nichts davon? Wie dem auch sei, wir sind umzingelt von Österreichern und geradewegs überfordert. Die Euphorie ist groß. Und während der sechsstündigen Bootsfahrt kommt man auch leicht mit allen rund um einen ins Gespräch. Wir diskutieren. Wir lesen, wir schlafen. Wir hören Musik. Beschäftigen uns mit Podcasts. Und schauen einfach aus dem Boot. Die Landschaft ist spektakulär. Ein klein wenig erinnert uns Laos an zu Hause. Es ins so grün hier, und überall kleine Berge und Hügel. Nur die Vegetation ist etwas unterschiedlich. Die Zeit vergeht schneller als erwartet und schon sind wir in Pak Beng, wo wir die Nacht verbringen werden. Der Fuß hat noch nichtmal den festen Boden berührt, werden uns schon von allen Seiten Gästezimmer angeboten. Wie immer ist uns das aber alles zuviel und wir schultern unseren Rucksack und machen uns zu Fuß auf. Gute Idee, denn wie sich herausstellt bekommen wir zum gleichen Preis bessere Optionen. Beim Abendessen treffen wir dann wieder all unsere Bootskameraden und so verlagert sich das ganze in die nächste Bar- eine der zwei Bars in der Stadt. Spät und aufgekratzt schaffen wir es dann ins Bett. Am nächsten Morgen noch schnell Proviant gekauft und nach der Lagebesprechung am Tag zuvor erstmal einige Sitzplätze reserviert.

 

 

Der Tag verläuft etwa so wie der vorherige. Leute trinken Bier, verbringen die Zeit mit Spielen oder wie in unserem Fall mit neuen Bekanntschaften. Früher als erwartet treffen wir dann in Luang Prabang ein, per Tuk Tuk geht es in die Stadt und zum Hostel, das ganze Nichtstun macht einen trotzdem fertig, man verlagert sich von einer Pobacke auf die nächste, aber es hilft ja dann doch alles nichts. Abends machen wir uns mal mit der Stadt vertraut und wie könnte man das besser tun, als über den Nachtmarkt zu schlendern.

Mit den Rädern geht es am nächsten Morgen los. Unsere Pläne werden mal wieder dadurch zunichte gemacht, dass weder Bernhard, noch ich, in der Lage sind die Öffnungszeiten richtig zu lesen. So stehen wir also gleich zweimal vor verschlossenen Türen des Königspalastes, der eigentlich ein Museum ist. Aus der Not wird eine Tugend, wir machen einfach eine Tempel Tour. Dort treffen wir jede Menge Schüler, die uns lernen, wie man seinen Namen richtig ausspricht. Während ich gerne Leute und Personen fotografiere, hasse ich es, wenn Touristen sich verhalten, als ob sie im Zoo wären. Wenn dann die Kinder gefragt werden „Do you want to see a picture of you in my phone“ kommt mir wirklich ein bisschen Kotze hoch. Als ob die Kinder hier nicht wissen, was ein Foto ist. Aber hey, der Selfie mit den 20 Sechsjährigen macht sich gut bei den Freunden daheim, man war quasi ein Kindermagnet. Am besten man teilt noch etwas Geld aus (Achtung! Sarkasmus!).

 

 

Die Tempeltour unterbrechen wir für frische Kokosnüsse, Nudelsuppen und natürlich Kaffee. Letzteres allerdings nur für Bernhard. Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir am Phousi Hügel mitten in der Stadt. Der Sonnenuntergang ist traumhaft, wären wir bloß nicht umzingelt von Touristen. Aber wir wollen uns hier nicht beklagen, wir werden nie vergessen, wie die Sonne langsam hinter den Bergketten verschwindet und alles in ein orange-rot taucht. Am Nachtmarkt treffen wir dann Rachel und Chris und gehen Essen. Das Buffetsystem bei dem man eine Schüssel vollmachen kann mit allem was man will, kommt vor allem Bernhard zugute, der das Ganze bis zum Schluss ausreizt und sogar von den Tischnachbarn darauf angesprochen wird. Ein bisschen was geht ja immer noch.

 

 

Gehäufte Teller leeren sich übrigens relativ schnell wenn Bernhard in der Nähe ist. Nicht nur seiner, sondern auch die im Umkreis von ihm. Am nächsten Tag geht es mit dem Scooter zu den Kuang Si Wasserfällen. Wir sind mal wieder extra früh aufgestanden, um den größten Menschenmassen aus dem Weg zu gehen. Trotzdem fahren wir erstmal 5 Mal hin und zurück, weil das Wetter nicht so gut aussieht und wir doch noch das Museum machen möchten. Der Wasserfall gewinnt dann schlussendlich doch. Hat sich ausgezahlt. Einmal bis hoch zum Wasserfall, quasi frühmorgens schon das Workout erledigt. Wir beschließen, bis hinten zur Quelle zu gehen und schwitzen ganz schön auf dem Weg dorthin.

 

 

Erstmal abkühlen, wir sind komplett alleine und schwingen uns ins Wasser. Ja, schwingen. Oder zumindest versuchen wir es: Wie sollte es auch anders sein, legt es mich natürlich erstmal auf meine Hinterseite. Wie ein Schnitzel liege ich also im Schlamm. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich schallendes Gelächter von Bernhard ernte. Wenigstens trage ich zur Belustigung teil. Irgendwann kann sich dann auch Bernhard von dem „Spielplatz“ wegreißen und wir machen uns auf den Weg zurück. Bei meiner Recherche bin ich auf einen geheimen Pool des Wasserfalls gestoßen. Wir ignorieren also die „Stay out“ und „No enry“ Schilder und nach einem Blick nach links und rechts klettern wir über die Absperrung. Über Stacheldrahtzaun geht es Richtung Wasserfall. Wir lassen unsere Sachen schließlich an einer trockenen Stelle zurück, da wir das Wasser queren müssen. Nass kommen wir schließlich am Pool an. Das Wasser kommt dröhnend von oben runter und unten sehen wir die Touristen stehen und nach oben blicken. Wir sind aber komplett alleine hier. Das kalte Wasser tut richtig gut aber so ganz an den Abgrund wagen wir uns dann doch nicht. Auf dem Weg zurück bleiben wir dann noch bei den Mondbären stehen, die uns köstlich unterhalten.

 

 

Fürs Museum bleibt dann mal keine Zeit mehr, dafür verschlägt es uns nochmal auf den Nachtmarkt. Kennt ihr das, wenn ihr das Bedürfnis habt, einfach irgendetwas zu kaufen? So geht es mir seit Wochen, aber irgendwie schafft es dann doch selten etwas in meinen Rucksack. Wir beschließen gemeinsam mit Chris und Rachel am nächsten Tag abzureisen…Vang Vieng wir kommen!

 

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