Kuala Lumpur – oder der “Reisen mit Stil” Blog

Willkommen in Kuala Lumpur! Mit dem Uber geht es Nachts zum Hotel. Dank erneuter Flugverspätung (bisher hatten wir wirklich noch keinen einzigen Flug, der keine Verspätung hatte oder gar gestrichen wurde) kommen wir erst mitten in der Nacht an. Aber schlafen können wir dann auch, wenn wir alt werden. Apropo alt, in zwei Tagen habe ich Geburtstag und wir gönnen uns endlich mal wieder etwas Luxus. Aber dazu später mehr. Tag eins sieht aus, wie jeder erste Tag bei uns: Wir nehmen uns vor, es chillig angehen zu lassen, nur um dann doch das ganze Sightseeingprogramm durchzuziehen. Meistens „passiert“ das aber einfach so. So auch an diesem Tag. Vom „Lass uns diesen Canopy Walk machen“ gehen wir scheinbar problemlos in den „Wieviel kann ich sehen in einem Tag“ Modus über und merken es meistens selber nicht mal. Während wir also den Tag gechillt angehen und erstmal im Kuala Lumpur Forest Eco Park über Hängebrücken spazieren überlegen wir noch, was wir danach so machen könnten. Irgendwie haben wir so gar keinen Plan- ihr seht schon, das ist Problem Nummer eins. Der Hunger lässt uns dann irgendwann die Entscheidung treffen uns auf den Weg nach Chinatown zu machen. Was soll ich sagen: Wir schaffen es nicht bis dorthin. Zu sehr reizen uns die Straßenmärkte auf den Weg dorthin, wo wir uns mal wieder Popiah gönnen und dann machen wir den Fund des Tages: Das neueröffnete Raw.

 

 

Nicht nur, dass wir endlich endlich endlich mal wieder gesund essen, nein wir sparen sogar noch dabei. Insgesamt kommen wir noch dreimal hierher zurück, beim dritten Mal stehen wir mitten in der Hitze leider vor verschlossenen Türen, aber dazu kommen wir ja noch. Satt wird dann Chinatown erst mal aufgeschoben und wir gehen zum Merdeka Platz, an dem auch Malaysias Unabhängigkeit ausgesprochen wurde. Über die City Gallerie und das Textilmuseum geht es dann Richtung Central Market und Chinatown. Hier könnte man shoppen bis zum Umfallen. Malaysia nimmt es auch mit der Markenfälschung nicht so ernst und so findet man hier nicht nur Handwerkskunst und jede Menge Kitsch, sondern auch Lacoste Schuhe, Fußballtrikots und Unmengen an Designerhandtaschen zum Spotpreis. Wir wollen eigentlich nur eine neue wasserfeste Drybag, aber gerade hier mangelt es an Auswahl. Naja, das nächste Chinatown kommt bestimmt. Die Leute kaufen wie die verrückten ein hier, vor allem abends und am späten Nachmittag soll es noch voller werden. Grund genug für uns abzuhauen. Wir müssen außerdem noch in unser neues Zuhause für die nächsten Tage einchecken: The Face Suites. Luxus Pur, samt Infinity Pool im 51. Stockwerk. Nehmen wir. Erste Amtshandlung also? Klar, wir fahren rauf zum Pool.

 

 

Und jetzt mal ehrlich, wir waren etwas enttäuscht. Viele Leute hier, und irgendwie habe ich mir das in meinem Kopf anders vorgestellt. Bernhard auch. Luxuriöser und naja, weniger Kinder und irgendwie sieht hier auch jeder aus wie wir. Ein paar Deutschen weiter drüben steht „Partyurlauber“ quasi auf die Stirn geschrieben und uns gegenüber sitzen ein paar Surferboys. Willkommen in der Realität. Die Aussicht ist trotzdem gut. Erfrischt geht es Abends dann nochmal raus, wir wollen auf den Alor Street Food Nacht-Markt. Und irgendwie scheinen wir den Massen nicht entkommen zu können. Auch hier ist es gerammelt voll. Nichts aber, was ein paar Teigtaschen für Bernhard und eine Pho Suppe für mich nicht besser machen könnten.

 

 

Am nächsten Tag ist es soweit: Ich habe Geburtstag. Der wird aber auf den nächsten Tag verschoben, denn das Wetter spielt nicht mit und auch im Hotel, haben die scheinbar das Memo nicht gelesen, denn der Pool hat zu. Wie jetzt? Jap, der wird geputzt, und zwar den ganzen Tag, nicht wie angenommen nur von 7-9 Uhr morgens. War ja auch irgendwie klar, typisch mein Leben. Aber kein Problem, Geburtstag verlegt und wir machen uns auf zum Bird Park. Der ist der größte Vogel-Park der Welt, indem das Gefieder Tier sich frei bewegen kann.  Und wir machen uns einmal quer durch die ganze Stadt. Zu Fuß sieht man immer noch am meisten, auch wenn es etwas länger dauert, aber so können wir auch gleich noch einen kleinen Umweg zu unserem Lieblingsfundstück in KL einlegen. Irgendwann kommen wir dann auch beim Birdpark an. Und wissen auch, warum wir prinzipiell ungerne in Zoos, Parks oder jegliche anderen Tierhaltungsattraktionen gehen.

 

 

Die Anlage ist prinzipiell ganz hübsch, aber die Netze könnten etwas höher sein und manche Vögel sind dann eben doch in Gehegen und die könnten durchaus etwas größer sein. Und Menschenmassen überall. Kreischende, aufgeregte Kinder, die scheinbar noch nie einen Papagei gesehen haben. Pfaue zum Umfallen und sogar einen Flamingoteich gibt es. Aber auch hier sind wir nicht übermäßig beeindruckt, etwas sauberer könnte es sein und die Flamingos sind auch eher weiß als pink. Aber da sind wir halt verwöhnt. Südamerika lässt grüßen. Die Vogelshow schauen wir uns dann auch noch an, sind ja schon da. Und wir werden gut unterhalten. Von Smarty, dem Ara der rechnen kann und von Polly, die durch Reifen fliegt. Und zum Schluss dürfen die Kleinen dann die Gänse füttern. Naja, und Bernhard natürlich. Okay, ich dann auch.

Vielleicht hätten wir beim Eingang sagen sollen, das heute mein Geburtstag ist, wer weiß, ob ich einen Papagei für meine Schulter bekommen hätte. Was solls. Kaum ist die Show vorbei fängt es mal wieder an aus Kübeln zu regnen. Ratet mal was wir nicht dabei haben. Korrekt. Regenschutz. Nass schaffen wir es dann bis zum Eingang. Aber keine Chance, jetzt nochmal quer durch die Stadt zu laufen. Wir bestellen uns ein Uber. Innerhalb kürzester Zeit schaffen wir es zurück zu unserer Luxusbude.  

Die hat mittlerweile den Pool auch geöffnet und so springen wir ganz kurz rein als es endlich zu regnen aufhört. Am nächsten Tag stehen wir ganz früh auf, wir wollen die ersten am Pool sein. Klappt dann aber doch nicht so ganz, weil ohne Kaffee bei Bernhard in der Früh gar nichts geht und auch ich  bin noch nicht ganz motiviert. Aber dann mit nur 10 Minuten Verspätung stehen wir oben am Skydeck. Mit uns noch drei andere Frühaufsteher. Keiner im Pool, es traut sich auch keiner reingehen (vorerst, kaum sind die Chinesen da, wars das dann auch mit der Ruhe), die Petronas Towers spiegeln sich in der Wasseroberfläche des Pools. Zwischendurch blinzelt die Sonne ganz kurz durch die Wolkendecke und es ist magisch. So schnell wie er hier war dieser besondere Moment, so schnell ist er auch wieder weg. Flutscht einem geradeso durch die Finger. Die Fotos können nicht mal annähernd der Realität das Wasser reichen.

 

 

Kurz darauf finden dann auch die ersten Chinesen und Familien den Pool und es ist erstmal vorbei mit der Ruhe. Wir hüpfen auch kurz rein, auch wenn es uns so früh und ohne Sonne doch etwas an überwindung kostet. Die Sonne ist auch nie da, wenn man sie braucht. Wir gehen kurz shoppen- und mit wir meine ich Bernhard. Das muss an dieser Stelle mal festgehalten werden. Ich habe noch nicht ein Stück meiner Garderobe ausgetauscht, während Bernhard immer mal wieder zuschlägt. Irgendwas läuft hier falsch! Bernhard ersteht übrigens endlich neue Converse (Preis war mega gut) und lässt seine löchrigen New Balance, die bei jedem noch so kleinen Regenschauer abgesoffen sind, endlich zurück. Der Mann darf also Schuhe kaufen und ich muss zu schauen. Jeder, der meine Schuhsituation zuhause kennt, kann sich vorstellen, welche Qualen ich gerade durchlebe. Durch den KLCC Park, beim Raw vorbei und ein paar Schnappschüsse mit den Twin Towers später, schmeißen wir uns nochmal in den Pool, bevor wir uns die Lichtershow bei den Twin Towers anschauen. Diese kann uns nach der Show bei den Supertrees in Singapur aber nicht mehr vom Hocker schmeißen, wenngleich Kuala Lumpur bei Nacht schon eine schöne Kulisse abgibt. Vor allem Bernhard gefallen die Twin Tower recht gut- ja sogar besser als das Marina Bay Sands. Ich bin da ja eher pragmatisch veranlagt: Bei beiden möchte ich nicht fürs Fensterputzen verantwortlich sein.

 

 

Der nächste Tag ist dann auch unser letzter Tag in Kuala Lumpur. Wir schmeißen uns nochmal in den Pool und wollen uns gebührend von unserem Lieblingsrestaurant verabschieden, das hat aber leider zu. Etwas aus der Bahn geworfen begehen wir einen großen Fehler: Bei der größten Affenhitze machen wir uns auf Essenssuche in Kuala Lumpur. Wären wir mal lieber am Pool geblieben. Am Central Market werden wir dann fündig und nach einem kurzen Abstecher in die Petaling Street machen wir uns auf den Weg zurück. So zumindest der Plan. Auf der Suche nach dem Gratis Bus verlassen wir unsere mittlerweile perfektionierte Route etwas. Kein Problem denken wir uns, gehen wir eben durch den Park. Wir (damit meine ich wiederum Bernhard) ignorieren das Schild, an dem eingezeichnet ist, dass der von uns anvisierte Ausgang verschlossen ist. Ich weise etwa 5 Mal daraufhin aber Bernhard ist der festen Überzeugung, dass wir durchkommen. Kommen wir nicht, eh klar. Habe ich nie in Frage gestellt. Wie ich nur so blöd sein kann, immer hinter Bernhard mitten ins Verderben zu rennen, verstehe ich allerdings nicht. Herdentrieb? Hoffnung? Testosteron? Auch wenn er es dreimal versucht, der umgefallene Riesenbaum lässt uns nicht passieren. Mein „Ich hab’s ja gleich gesagt“ (hat er aber verdient!) trägt auch nicht zu Bernhards nun angepisster Stimmung bei. Aber irgendwie muss ich mir ja Luft machen. Wir müssen jetzt nämlich wieder 20 Minuten raus aus dem Park. Und sind schon spät dran, denn wir müssen heute noch zum Flughafen und haben ganz schön Zeit vertrödelt. Wann das passiert ist? Wissen wir selber nicht, wir wollten nur kurz mal raus zum Mittagessen. Über 20 Umwege und Abkürzungen kommen wir dann irgendwann doch an. Für einen 20 Minuten Weg haben wir eine knappe Stunde gebraucht und sind verschwitzt. Eigentlich haben wir keine Zeit mehr, aber wir beschließen, doch noch kurz in den Pool zu hüpfen. Rein, raus, ab die Post. Als wir umgezogen sind und gerade zum Pool wollen, beginnt es mal wieder volle Kanne zu regnen. Ein Zeichen, beschließen wir, und lassen das mit dem Pool doch sein. Ab zur Metro und zum Busterminal. Stress Stress Stress. Vor lauter Herumgetue und weil ich keine Ahnung habe und Bernhard nie zu Ende liest, kaufen wir Tickets für den falschen Bus. Kommen wir dann aber erst drauf, als wir drinnen sitzen und wegfahren. Ups. Kurzzeitig stellen wir sogar in Frage, ob wir überhaupt zum richtigen Flughafen fahren. Tun wir. Nur das Terminal ist ein anderes. Halb so schlimm, wie ich finde. Bernhard ärgert sich mal wieder, über sich selbst, über den Bus, den Flughafen und den Stau, der uns noch mehr Zeit kostet. Aber auch über mich, weil ich in meiner „kann ich eh nicht ändern, ich döse mal eine Runde vor mich hin“- Phase angekommen bin. Irgendwie kann ich ihn doch beruhigen, dass wir ja zumindest in die richtige Richtung fahren. Vor Ort dann die nächste Hürde, wie kommen wir also auf Terminal 1? Bus fährt erst irgendwann und braucht ewig, also Zug. Irgendwie kommen wir dann doch an. Finden den Schalter erst nach 10 Minuten- ganz schön versteckt!- und geben erstmal unser Gepäck ab. Nur um dann vor verzwickten Gesichtern zu stehen. „Rückflug aus Indonesien haben Sie?“, fragt uns der Angestellte. Haha, guter Scherz, ich weiß nicht mal wo ich morgen sein werde. Sage ich ihm auch so, findet der aber nicht so lustig. Ohne Weiterreiseticket dürfen wir nämlich nicht einreisen. Wie jetzt? Wir diskutieren, und diskutieren und…. Unterschreiben einen Zettel. Auf dem steht, dass wir unseren Rückflug quasi selber finanzieren müssen, falls wir nicht einreisen dürfen. Okay, damit können wir leben. Ich sehe uns schon a lá Terminal (der Film!) die nächsten Wochen am Flughafen wohnen. Bernhard behagt das ganze gar nicht und würde am liebsten vor Ort ein Ticket kaufen, oder zumindest ausleihen (ja sowas gibt’s!), aber ich bin für pokern. Machen wir dann auch. Sicherheitshalber noch ein paar Flugdetails rausgeschrieben, Internetseiten vorbereitet und dann sitzen wir schon im Flieger. Wir landen spät, unser Flug hatte mal wieder Verspätung. Aber wir sind nicht schuld, wir waren sogar noch in der Zeit! Bei der Einreise jede Menge Leute vor uns. Und alle haben einen Zettel in der Hand mit ihren Flugdaten und Ausreisenachweisen. Bernhard rinnt der Schweiß und verliert sämtliche Farbe. Das reden muss also ich übernehmen. Nach einiger Wartezeit kommen wir dann dran. Wo wir hin wollen, was wir machen, ob wir hier Flitterwochen machen, will der Beamte wissen. Ich meine Nein, er soll Bernhard nicht auf solche Gedanken bringen. Findet der lustig und ihm fällt auch gar nicht auf, dass Bernhard nicht wirklich mitlacht sondern nur angestrengt sein Gesicht verzieht. Bernhard in Notsituationen, er kann nicht lügen, wenn sein Leben davon abhinge. Ich versuche noch den Beamten niederzuquatschen, wir quatschen über Gott und die Welt, über Strände -er gibt uns Tipps für gute Plätze für Heiratsanträge und wir lächeln und lächeln. Er ist zufrieden, Bernhard ist kurz vorm Sterben vor lauter Nervosität und ich verstehe den ganzen Rummel nicht. Wir sind durch. Kein Schwein hats interessiert, genauso wie es zu erwarten war. Hallo Indonesien, long time (race against time phrase) no see!

You Might Also Like

Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

six − one =