Arequipa oder der – „Wer braucht schon Schlaf“ – Blog

Nach einer mäßig erholsamen Nachtbusfahrt kommen wir also in Arequipa an. Es ist etwas wärmer, mein übernachteter Körper freut sich darüber. Wir nehmen ein Taxi zu unserem Hostel und bleiben dort erstmal eine Weile hängen. So richtig können wir uns nicht aufraffen etwas zu tun. Aber den ganzen Tag herumgammeln wollen wir irgendwie auch nicht und so geht es schlussendlich doch auf einen Sprung in die Stadt. Erste Station wie immer, der Markt.
Muss man ja mal abchecken die Essensoptionen. Bernhard gönnt sich Rocoto Relleno, gefüllte Paprika, eine Spezialität für die Gegend hier. Ich finde ein kleines Ständchen voll mit Einheimischen und bestelle: Was auch immer die anderen essen. Bis jetzt sind wir nicht ganz sicher, was das war, aber erstens war es so gut, dass wir die nächsten Tage sogar nochmal zurückkommen werden und zweitens leben wir noch. Nahrungssuche und Aufnahme also ein voller erfolg.
Eines darf übrigens sowieso nicht mehr fehlen: Chicha. Haben wir kennen und lieben gelernt. Ob rot oder weiß, wir lieben beides. Das Getränk wird aus Mais gemacht und zusammen mit Orangen, Maracujas oder was auch immer gerade zur Verfügung steht gekocht. Wir mögen vor allem die alkoholfreie Variante, die es quasi an jeder Straßenecke gibt und 1 Sol für einen halben Liter ist ja wohl mal eine Kampfansage. Wie das ganze also schmeckt fragt ihr euch? Immer etwas unterschiedlich. Vor allem den weißen bekommt man manchmal mit Zimt, manchmal auch ohne. Aber schmecken tut es immer gut. Uns persönlich erinnert ja der Alkoholische etwas an Sturm.


Wir wägen unsere Optionen ab und beschließen mal wieder eine dieser Free Walking Tours zu nehmen, immer wieder eine gute Möglichkeit, um in kurzer Zeit ein Gefühl für die Stadt zu bekommen, auch wenn wir schon genug von den gratis Pisco Sours am Schluss jeder Tour haben. Da könnten sie sich wirklich mal was Neues überlegen. Arequipa gefällt uns gut, auch hier ist alles weiß und im Kolonialstil. Der Tourguide bringt uns die Stadt in angenehmer Weise näher und wir lernen ein Pärchen aus Österreich (sowas verbindet einen ja gleich, da ist man immer gleich aufgeregt, wenn man hört, dass jemand aus Österreich kommt) kennen, mit denen wir dann nach der Tour auch noch den Abend verbringen. Die nächsten zwei Tage essen wir uns durch die Stadt, gehen in verschiedene Museen und checken mal wieder verschiedene Touranbieter ab.

Es geht nämlich in die Colca – Schlucht. Wir sind uns unschlüssig welche Tour wir nehmen sollen, zwei Tage (mehr wandern), drei Tage (mehr chillen) oder doch ganz etwas anderes? Auch mit dem Chachani, dem 6000er hier in der Nähe, haben wir noch nicht ganz abgeschlossen, vor allem Bernhard liebäugelt immer mal wieder mit ihm, je nachdem mit wem wir uns darüber unterhalten. Wir buchen die 2 Tages Colca- Tour und beschließen Chachani erstmal auszulassen. Zu sehr nach Massentourismus sieht das aus und viele von den Touranbietern spielen das zu Gunsten der Touristen auch ganz schön runter. So ein 6000er ist aber immer noch ein 6000er. Und so ein 6000er ist halt dann doch hoch. Also so 6000 m eben. Da wird die Luft schon dünn. Und kalt. Von Kälte hab ich wirklich genug im Moment. Und wir haben irgendwie auch keine Lust mit zig anderen Leuten sich da hochzuschleppen, nur um dann am Ende umkehren zu müssen, weil die Touristen doch nicht richtig akklimatisiert waren. Darauf läuft am Ende nämlich alles raus.
Also erstmal in den Colca Canyon. Wir werden – ihr werdet es kaum glauben – mal wieder um drei Uhr morgens abgeholt. Keine Ahnung warum, aber scheinbar schlafen die Peruaner hier nicht. Wie dem auch sei, als um dreiviertel 4 immer noch niemand kommt, um uns aufzusammeln werden wir 1) etwas grantig, weil wir immer noch nicht daraus gelernt haben, dass die hier nie pünktlich sind 2) auch etwas nervös, weil soviel Verspätung hatten wir doch noch nie. Mit uns warten auch andere Reisende im Hostel auf ihre Tour, die sind aber schon lange vor uns weg. Unsere Hostel-Mama beginnt sich sogar schon zu sorgen, als dann endlich, endlich doch jemand an der Tür klopft. Hätten unser Hostel nicht gefunden, meinen sie. Tja, hätten sie mal lieber Google Maps benutzt, so schwer ist das ja gar nicht.
Mit Verspätung geht es also los Richtung Colca Schlucht. Wir stoppen nur kurz für das Frühstück, ein Debakel sondergleichen und wir haben wirklich schon viel erlebt und sind nicht heikel. Flüssige Marmelade und Saft, der auch beim Umdrehen das Glases der Schwerkraft trotzt. Hätten wir mal filmen sollen, waren aber noch zu müde. Der Zeitplan – Gott schläft wohl noch, denn wir müssen vor einer Straßensperre warten und unsere Verspätung wird noch größer. Um wieder Zeit zu gewinnen, wird uns Zeit am Cruz del Condor – Aussichtspunkt gekürzt, finden wir sch*, aber können nicht viel dagegen tun. Im Grunde ist das dann auch unser Highlight der nächsten Tage.
Kondore in freier Wildbahn schweben, ja gleiten, um unsere Köpfe. Dass die groß sind, haben wir ja gewusst. Dass die aber SO groß sind dann auch wieder nicht. Sehr imposant und die Kamera muss mal wieder herhalten. Da kommt die Gute das erste Mal an ihre Grenzen.

Unser Guide treibt seine Schäfchen – also uns – wieder ins Auto und wir fahren zum Ausgangspunkt für den Trek. Wir steigen aus und lernen unseren Guide für die Wanderung kennen- Raffael- und danach auch unsere ganze Gruppe. Bernhards Augen werden groß und ein Funken an Verzweiflung, Ungläubigkeit und schlussendlich Resignation ist zu erkennen. Wir sind 13 Personen. Und 8 davon sind 18-20- Jährige Mädls. Klingt gut, ist es aber nicht. Es geht los und nach ein paar Erklärungen und Erzählungen geht es die nächsten Stunden erstmal runter in die Schlucht. Mein Knie macht – mal wieder, jeder der mal hin und wieder mit mir Sport betreibt kennt das ja schon – Probleme, aber dank Bambusstock für sage und schreibe 1 € geht es einigermaßen. Unter Gekichere, Gesinge, und sinnlosem Geblabbere (das erklärt dann auch Bernhards Resignation) geht es über Stock und Stein. Dann gibt es Mittagessen. Irgendwo im Nirgendwo. Schmeckt aber gut, Avocado geht immer.
Nach einer kurzen Pause geht es über Terrassenfelder weiter. Wir kommen an eine Weggabelung und Raffael fragt die Gruppe, ob wir lieber den kürzeren oder längeren Weg gehen wollen. Von dieser „Abkürzung“ haben wir schon in Arequipa erfahren und weigern uns. Die Mädels sind aber relativ fertig und einige pfeifen aus dem letzten Loch. Nach kurzer Diskussion auf Spanisch – keiner von den anderen Teilnehmern spricht wirklich Spanisch – kommt uns Raffael entgegen und meint, wir könnten uns aufteilen, immerhin könnte ich unterwegs nach dem Weg fragen. Diesen erklärt er uns dann auch noch, wenn auch etwas konfus, und zu dritt machen wir uns schließlich auf den Weg. So ganz sicher sind wir uns nicht, aber solange es bergauf geht, kann es nicht so falsch sein. So zumindest unsere Logik. Wir kommen gut voran und sind schon bald ein paar Höhenmeter weiter oben, bevor wir endlich in den kleinen Dörfern ankommen. Unglaublich, dass hier tatsächlich Leute wohnen, ja leben! Hier wird Mais, Kartoffeln, aber vor allem Avocado angebaut. Manche schauen uns etwas skeptisch an, wir fragen uns nach dem Weg durch, kaufen hier nochmal billig Wasser (Die Minimärkte für die Touristen verlangen das dreifache!) und nach etwa einer Stunde sehen wir jemanden von weiter unten Winken.
Wir winken zurück, wollen ja nicht unfreundlich sein. Was uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst ist: Das ist der Rest unserer Gruppe. Scheinbar waren wir – laut Raffael – „Speedy Gonzales“ und haben sie eingeholt, trotz Umweg. Tja, dann hat sich das ja ausgezahlt, unsere Aussicht war definitiv besser. Auf einer Wegkreuzung treffen wir sie dann wieder und alle schauen ziemlich fertig drein. Raffael trägt sogar schon den Rucksack einer der Mädels.
Von hier aus geht es nur mehr bergab, Richtung Sangalle, oder Oasis wie sie es jetzt für die Touristen nennen. Dort gehen wir vorbei an den hübscheren Hotels – war uns klar, dafür hätten wir vermutlich mehr bezahlen müssen – und finden schlussendlich unsere Unterkunft. Ziemlich rustikal das Ganze und auch die ein oder andere Spinne muss dran glauben. Von den anderen Zimmern hören wir immer wieder Schreie, aber Bernhard ignoriert das Alles schon, was mich immens amüsiert. Die Frage des Abends? Swimming Pool ja oder nein. Wir entscheiden uns für nein und nehmen dafür die kalte Dusche. Yeah. Österreich wir vermissen dich. Irgendwie hab ich mich schon ans kalte Duschen gewöhnt. Aber irgendwie dann halt auch nicht.

Zum Abendessen gibt es Spagetti. Wir sind enttäuscht, dass es hier so touristisch zu geht. Verstehen nicht so wirklich, warum die Leute hier das Gefühl haben, sich nach den Touristen richten zu müssen anstatt einfach ihr Ding durchzuziehen.

Einige der Mädls buchen noch ein Esel-Taxi für den nächsten Morgen. Um 4 Uhr ist Tagwache. Ja, ihr habt richtig gelesen. Und ja. Wir sind wirklich im Urlaub. Könnte man glatt vergessen, bei diesen unchristlichen Zeiten. Bewaffnet mit Kopflampe geht es wieder die Schlucht rauf. Denn wer runter geht, der muss auch wieder rauf. Keine Ahnung wer sich dieses Konzept überlegt hat.
Etwa drei Stunden soll das dauern, aber wir kommen nur langsam voran, weil wir immer wieder zusammenwarten müssen. Raffael schickt fünf von uns vor, meint wir warten oben zusammen. Und so gehen wir dann selber rauf. Wofür wir die letzten Tage einen Guide hatten, wissen wir selber nicht so genau, im Nachhinein würden wir das Ganze vermutlich individuell machen. Auch die anderen drei aus unserer Gruppe verlieren wir recht schnell, überholen ein paar der anderen Gruppen und machen Meter.
Mein Knie schmerzt, ich will es schnell hinter mich bringen. Die letzten Meter sind hart. Die Sonne geht auf und gibt uns nochmal den nötigen Anstoß. Mit einigen wenigen anderen Wanderern kommen wir oben an. Ruhig ist es hier, die Sonne lässt noch etwas auf sich warten.
Und kalt. Der Wind geht mal wieder. Wir ziehen uns um und warten auf die anderen. Und warten. Und warten.
Scheinbar waren wir schneller als gedacht. Die Esel kommen und mit ihnen einige der Mädels. Nach 45 Minuten kommt dann auch der letzte Rest. KO aber alle sind letztendlich froh oben angekommen zu sein.
Witzigerweise treffen wir hier am Gipfel auch wieder Luis. Die Welt ist ein Dorf.

Es geht zum Frühstück, bevor wir die Heimfahrt antreten. Der ein oder andere obligatorische Touri-Foto-Stopp ist dabei und gegen Mittag machen wir Halt bei heißen Quellen. Haben wir uns zwar eigentlich spektakulärer vorgestellt, aber unsere müden Beine danken es uns trotzdem. Ein paar Stunden später kommen wir in Arequipa an, Bernhard, man könnte glauben er sei ein Yoga- Guru, verschläft mal wieder die halbe Fahrt in komischer Pose, die mich aber leider aus Angst mich zuviel zu bewegen immer wach hält und meistens sämtliche Gliedmaßen einschlafen lässt. Die Liebe muss groß sein, glaubt mir das! Wir freuen uns jetzt schon auf das tolle Frühstück unserer Hostel Mama (die netteste Frau ever!!!).
Die Bananenpfannkuchen noch nicht mal ganz verdaut schleppt mich Bernhard in das Andine Museum, um eine uralte, in einem durchsichtigen Tiefkühlsarg aufbewahrte Mumie anzuschauen. Na vielen Dank auch. Weiß ich schon, wovon ich die nächsten Nächte träume.
Juanita heißt die Kleine und auch ihren Fund kann man der globalen Erwärmung verdanken. Also Leute, lasst mal lieber euer Auto stehen und nehmt das Fahrrad!
Auch auf die genaue Beschreibung ihrer Opferung hätte ich zu dieser frühen Stunde gerne verzichtet, aber an sich ist das Museum durchaus einen Besuch wert. Wir gehen zu Mundo Alpaca, um uns von unseren Lieblingstieren zu verabschieden, bevor es wieder auf Meeresniveau geht. Scheinbar stehen wir lange genug vor dem Gehege und geben ein jämmerliches Bild ab, als wir versuchen die Wollknäudel mit allem zu bezirzen, was wir in die Hände bekommen. Da muss auch die ein oder andere Zierpflanze dran glauben (psssst, wir haben versucht sämtliche Spuren zu vernichten- Ninja Modus!). Schlussendlich haben wir hauptsächlich eines geschafft: Die Wärter haben Mitleid mit uns und lassen uns die Alpacas und Llamas schließlich füttern. Weisheit Nr. 1025 also: Nicht die Tiere, sondern die Wärter muss man bezirzen. Hättet ihr mal wieder was gelernt.

Und dann geht es endlich, endlich, endlich- haben wir schon endlich gesagt? – wieder runter und Richtung Küste. Nächste Station: Ica! Sonne, Sand und Sandboarden.

 


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1 Kommentar

  • Reply
    Karin Stanje
    June 22, 2017 at 8:29 pm

    Also ich habe wiedereinmal mit viel Interesse gelesen. Danke,war sehr interessant und lustig zum Lesen.
    Soooo viele tolle und schöne Eindrücke für euch.😲😮
    Melanie ich hoffe für dich,das dein Knie bald besser wird. Bist eh tapfer. Zuerst eine Erkältung dann Probleme mit Magen und Darm,schlussendlich auch noch das Knie.
    Bis auf bald 😘😉👍🏻👍🏻

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